Tegernsee/Achenkirch/Mittenwald – Autofahrer im südlichen Oberbayern sind am Samstag auf eine enorme Geduldsprobe gestellt worden. Zwischen München und dem Tiroler Skigebiet am Achensee und auf der Strecke ins Zillertal staute sich der Verkehr enorm. „Es war ein brutaler Reisetag“, sagte der Schwazer Bezirkshauptmann Michael Brandl. „Es war extrem.“ Zum Beginn der Faschingsferien hatten die Tiroler erstmals eine sogenannte Dosierampel hinter der bayerisch-österreichischen Grenze in Betrieb genommen. Die Ampel soll den Verkehr auf der Achenseestraße B 181 in Richtung Süden durch entsprechende Rotlichtphasen begrenzen (wir berichteten).
Am Vormittag hatte das sehr gut geklappt, sagte Brandl. Allerdings sei der Verkehr aus dem Norden aber weniger über Tegernsee und Kreuth, sondern mehr via Lenggries gekommen. „Damit haben wir nicht gerechnet.“ Ab Mittag seien die Grünphasen verlängert worden, um den Rückstau abzubauen.
Der Landrat von Bad Tölz-Wolfratshausen, Josef Niedermaier, sagte, es handle sich um ein Gemeinschaftsprojekt mit den Tirolern. Auch der Isarwinkel und das Tegernseer Tal seien durch Maut- und Stauflüchtlinge belastet. Man hoffe, dass viele Reisende künftig so weit wie möglich auf der Autobahn fahren. Es sei durchaus zu überlegen, ob ähnliche Dosieranlagen auch auf bayerischem Gebiet helfen könnten, den Verkehr besser zu steuern. Die Dosierampel soll nächsten Samstag und an Ostern erneut in Betrieb gehen. Danach werde das Pilotprojekt wissenschaftlich ausgewertet, sagte Brandl.
Auch im Bereich südlich des Endes der Autobahn 95 bis zum Grenzübergang Scharnitz kam es am Samstag zu massiven Verkehrsbehinderungen. Insbesondere bei und in Mittenwald hätten sich Urlauber und Ausflügler gedrängt, „Fahrzeug an Fahrzeug“, berichtet die Polizei. „Selbst die Seitenstraßen waren dicht“, berichtet die Wirtin Marille Jungkunz. Sie blickte immer wieder kopfschüttelnd aus dem Fenster vom Mittenwalder „Postkeller“, um das Verkehrschaos zu beobachten. „Für uns war es gut“, sagt sie. „Einige Autofahrer sind bei uns zum Essen eingekehrt.“
Im gesamten Landkreis drängten sich Autos in Richtung Süden. Und das, obwohl es nicht einmal einen Unfall gegeben hatte. Möglicherweise könnte das mit einer Blockade-Aktion von Klimaaktivisten auf der Fernpassstraße zu tun haben. Der Protest dauerte eine halbe Stunde, hatte aber massive Staus verursacht. Außerdem gab es auch vor dem Füssener Grenztunnel eine Blockabfertigung. Viele Autofahrer könnten deswegen den Korridor zwischen Mittenwald und Seefelder Plateau genommen haben. Um den kilometerlangen Stau auf der B2 zu umgehen, scherten viele nach Mittenwald aus. Die Blechlawine, die durch die Wohngebiete rollte, war so lang, dass Bürgermeister Enrico Corongiu sogar die Polizei um Hilfe bat. Die teilte ihm allerdings mit, dass sie Straßen nicht einfach sperren dürfe.
Der Beginn der Faschingsferien, gepaart mit Bettenwechsel in den Skiorten, gilt schon immer als Super-Stau-Samstag. dpa/mc/csc