München – Wer in einer klaren Nacht den Sternenhimmel betrachtet, kann nicht anders als zu denken: Es muss sie geben, die Außerirdischen! Genauso denkt auch der Münchner Astronaut und Wissenschaftler Ulrich Walter. „Ja, draußen gibt es Außerirdische“, hat er anlässlich seines 70. Geburtstags geäußert, „das verlangt allein die Logik, weil es nahezu unendlich viele andere Planeten gibt.“
Allerdings ist der TU-Professor für Raumfahrttechnik wenig zuversichtlich, dass wir Menschen uns jemals mit den Bewohnern anderer Welten austauschen werden. „Wir werden sie nie treffen“, sagt er. „Selbst kommunizieren werden wir nie mit ihnen. Aber es muss sie geben.“ Das Hauptproblem sind laut Walter die wahnsinnigen Entfernungen.
Sogar innerhalb unserer Galaxie, wo es vielleicht in wenigen Lichtjahren Entfernung bewohnbare Planeten gibt, könnten wir nicht mit anderen Zivilisationen reden. „Selbst da sind die Abstände so groß, dass die Signale anderer im galaktischen Rauschen verschwinden.“ Es sei erwiesen, dass man Botschaften von Außerirdischen aus anderen Galaxien auffangen würde, würden sie uns welche schicken.
Reisen zu bewohnten Planeten seien allerdings nicht möglich. „Derartige Flüge würden mehr als 10 000 Jahre in Anspruch nehmen.“ Immerhin hält Walter eine bemannte Mars-Mission ab Ende der 2030er-Jahre für möglich. Hier könnte der Mensch Indizien für früheres Leben finden: Im Januar meldete die Europäische Raumfahrtagentur ESA, unter der Oberfläche des Roten Planeten ruhten vermutlich riesige Eismassen. Sie könnten den ganzen Planeten in eine 2,7 Meter dicke Wasserschicht eindecken.
Wasser, Kohlenstoff, Energie: „Die Basis für biologisches Leben gibt es überall“, sagt Walter. Aber: „Die Unwahrscheinlichkeit“ für dessen Zustandekommen „liegt erstens darin, dass ein Planet genau die richtige Menge von Energie von einem sonnenähnlichen Stern beziehen muss.“ Ein zweiter kritischer Punkt sei, dass aus unbelebter Materie eine erste Zelle entstehe. Dennoch hält Walter das Raumfahrtprogramm Bayerns für wichtig – insbesondere die Produktion von Satelliten.
„Es sind inzwischen Tausende, die die Erde umkreisen. Ohne sie wäre der Alltag mit Smartphones und Navis nicht möglich. Warum sollte man diesen Markt anderen überlassen?“
Walter ist einer von zwölf Deutschen, die bisher ins All geflogen sind. Er war 1993 an Bord der Columbia, die in der Erdumlaufbahn kreiste. Geboren in Iserlohn, studierte er in Köln Physik, ging in die USA nach Berkeley, wo auch das berühmte Seti-Projekt gegründet wurde, darin durchsuchen Computerbesitzer mit vereinter Rechnerkraft Teleskop-Daten nach außerirdischen Botschaften. 1988 bewarb sich der Vater zweier Töchter als Astronaut und wurde angenommen. Jetzt werde er sich zurückziehen und populärwissenschaftlich wirken, kündigte er an. Seinen Lehrstuhl werde er bald abgeben. ISABEL WINKLBAUER