Ein riesiger, friedlich-bunter Fisch, der die in Teilen rechtsextreme AfD als brauner Piranha schluckt, und ein kostümierter Narr, der der AfD die Maske vom Gesicht reißt, hinter der eine tiefbraune Fratze sichtbar wird: Die Partei wird gleich auf zwei Mottowagen beim Rosenmontagsumzug in Düsseldorf heftig kritisiert. Aber nicht nur sie – auch der Bundeskanzler kommt als „Hohlaf Scholz“ mit einem Riesenloch anstelle des Gehirns im Kopf schlecht weg. Putins andauernder Angriffskrieg in der Ukraine, Ex-US-Präsident Donald Trump, der die amerikanische Flagge in die Form des Hakenkreuzes geschnippelt hat, sind zwei weitere politisch aktuelle Wagen, die heuer von den Narren am Straßenrand mit großem Applaus begrüßt wurden.
Die politischen Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug stammen von dem bekannten Wagenbauer Jacques Tilly. Im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie sein Wagen unter dem Motto „From Russia with Love“: Darauf ist ein russisch-orthodoxer Kirchenmann zu sehen, der seinen Mund gegen den Schritt einer Putin-Figur in Militäruniform presst. Tilly hat auch den seit fast vier Monaten andauernden Krieg Israels gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen nicht außen vor gelassen: Ein schwer bewaffneter Hamas-Kämpfer schiebt breit grinsend einen alten palästinensischen Mann und eine junge Frau mit zwei kleinen Kindern vor einen israelischen Panzer. Außerdem ist erstmals seit 2020 wieder ein „Toleranzwagen“ von Muslimen, Juden und Christen Teil des Zugs.
In Köln ziehen gut 11 500 Teilnehmende im jecken „Zoch“ durch die Innenstadt. Mit dabei in der 8,5 Kilometer langen Zugstrecke ist auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Mit NRW-Hut und Narrenmontur läuft er bei der KG Rocholomäus mit und wirft Kamelle und „Strüßjer“ (Blumensträuße) ins Publikum. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist nicht live dabei, dafür zieht er auf einem Wagen wegen seiner zögerlichen Politik als vor sich hin dämmerndes Faultier auf dem Ast eines Baumes mit. Kreml-Chef Putin ist in Köln mit einer Atombombe in den Händen und Brett vorm Kopf dabei, hinter ihm stehen die Repräsentanten Chinas und des Iran und vervollständigen das Despoten-Trio.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) dagegen zertrümmert als Elefant mit ihrer „wertorientierten Außenpolitik“ im Porzellanladen einige Vasen. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird unter dem Titel „Trauerspiel“ mit verdeckten Augen bei der Studie von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gezeigt. Und auch die AfD wird auf die Schippe genommen. Aus einem riesigen braunen Sumpf unterhalb eines nackten Hinterns strecken mehrere Rechtsextreme ihre Arme zum verbotenen Hitlergruß. Auf einem anderen Wagen entdeckt man eine grinsende AfD-Chefin Alice Weidel, die von drei Ampelmännchen groß gemacht wird.
Die Stimmung unter den hunderttausenden bunt kostümierten Karnevalsfans in Düsseldorf und Köln ist ausgelassen. Neben reichlich Kamelle – alleine in Köln werden rund 300 Tonnen Süßigkeiten geworfen – zeigte sich auch das Wetter bei angenehmen Temperaturen gnädig. Und auch die Polizei, die alleine in Köln den Rosenmontagszug mit 2000 Einsatzkräften sicherte, zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem friedlichen Verlauf des karnevalistischen Höhepunktes.