Eis-Alarm auf den Skipisten

von Redaktion

VON CARINA ZIMNIOK

München – Die Schlagzeile der österreichischen Kronenzeitung klingt dramatisch: „Schmelzende Skipisten werden zur tödlichen Gefahr“. Der Hintergrund: Die milden Temperaturen sorgen in den Skigebieten für schwierige Pistenverhältnisse. Am Sonntagabend verunglückten etwa in Söll innerhalb von zehn Minuten drei Wintersportler. An derselben Stelle.

Beim Nachtskilauf rutschten nacheinander ein 34-jähriger und ein 32-jähriger Österreicher sowie ein 49-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen unter einem Begrenzungszaun durch. Die Piste war matschig, weil es derzeit zu warm ist, sagt der örtliche Polizeichef. Weil neben der Piste kein Schnee liegt, landeten sie auf einem asphaltierten Parkplatz, alle drei wurden verletzt. Die Männer trugen jeweils einen Helm, was wohl Schlimmeres verhinderte.

Das Problem haben gerade viele Skigebiete: Tagsüber schmilzt der Schnee, wird sulzig. Nachts friert er wieder fest: „Die Pisten sind relativ eisig, weil wenig Schnee liegt“, sagt Claudia Riedl vom Geosphere Institut Salzburg. „Deshalb verlaufen Unfälle auch schwerer.“

Auch Thomas Feistl, Chef des Lawinenwarndienstes Bayern, sagt: „Wir haben in den Bergen gerade nicht die besten Verhältnisse.“ Zwar gab es gestern ein wenig Neuschnee, auch für heute wird über 1200 Meter Schneefall erwartet. Aber vor allem in niedrigeren Lagen sei der Schnee, wenn überhaupt einer liegt, ziemlich nass. „Wenn es nachts aufklart, wird es sehr eisig werden.“ Genau diese Wetterlage wird ab Mittwoch erwartet.

Verena Tanzer von der Bayerischen Zugspitzbahn, zu der auch das Gebiet Garmisch-Classic und der Wank gehören, sagt: „Wenn wir die Pisten nicht präparieren würden, wären sie unbefahrbar.“ Allerdings sind die Raupen jede Nacht unterwegs, brechen die Pisten mit ihren Ketten auf und glätten sie hinterher. Das Problem gibt es vor allem in den niedrigeren Lagen – die Pisten auf der Zugspitze (2962 Meter) oder auf dem Osterfeldkopf (2057 Meter) seien in einem sehr guten Zustand.

Lawinen-Experte Feistl benennt noch ein anderes Problem: Oft sind die Pisten gut präpariert, aber rechts und links liegt kein Schnee. „Wenn man von der Piste abkommt, landet man sehr schnell im Wald oder auf Steinen, da kann man sich schwer verletzen.“ Auch Verena Tanzer warnt: „Man muss angepasst fahren.“ Das gilt vor allem, wenn die Pisten voll sind, schließlich sind gerade Faschingsferien.

Die Kliniken nahe der Skigebiete sind im Winter ohnehin im Ausnahmezustand: In Innsbruck etwa verzeichnet das Klinikum allein für das vergangene Wochenende in den Abteilungen Orthopädie und Traumatologie 351 verletzte Erwachsene – etwa die Hälfte verunglückte auf der Piste. Die Zahl, sagt ein Sprecher, ist nicht auffällig – wohl aber die Schwere der Verletzungen. Am Krankenhaus Agatharied im Kreis Miesbach werden derzeit nicht auffällig viele Wintersportler eingeliefert. Das liegt laut einer Sprecherin wohl daran, dass die Schneelage in den vergleichsweise niedrig liegenden Skigebieten in der Region nicht besonders gut ist –und die Urlauber, die langfristig gebucht haben, eher andere Aktivitäten wählen.

Wer abseits der Pisten im freien Gelände unterwegs ist, muss derzeit nicht mit einer erhöhten Lawinengefahr rechnen. Allerdings warnt Experte Feistl vor Gleitschneelawinen, die abgehen können, wenn der Schnee sehr feucht ist.

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