München – Armin Grein hatte einen Spruch, den er im Lauf der Jahre gerne wiederholte: „Zu Parteien geht einer, der was werden will – zu den Freien Wählern geht einer, der schon was ist.“ Das war Greins Idee von den FW: ein Bündnis von Kommunalpolitikern. Unabhängig. Ohne Filz. An der Sache orientiert. Eben keine Partei. Und schon gar nicht die CSU.
Am Sonntag ist der Gründervater und Ehrenvorsitzende der Freien Wähler im Alter von 84 Jahren gestorben. Seine eigene Karriere stand sinnbildlich für das Profil der Vereinigung, die ihm vorschwebte. Von 1972 bis 1984 war er Bürgermeister in Marktheidenfeld (Kreis Main-Spessart), dann wechselte er auf den Sessel des Landrats, den er erst 2008 aus Altersgründen räumte.
Mit der Kandidatur für den Landtag, mit der Entwicklung zur Partei haderte er dagegen. Als sich die Gruppierung aber für eine Kandidatur entschied, übernahm Grein die Spitzenposition – und scheiterte zwei Mal. 2006 gab er den FW-Vorsitz deshalb ab, Nachfolger wurde völlig überraschend ein gewisser Hubert Aiwanger, der kein kommunales Mandat besaß. Grein galt nicht gerade als Förderer. Auch weil Aiwanger damals provozierte: „Kommunen?“, fragte Aiwanger 2006 beim Antrittsbesuch unserer Zeitung. „Keiner weiß, was Kommunen sind – manche halten sie für Wohngemeinschaften.“
Grein dürfte das geärgert haben. Das Verhältnis zum Nachfolger blieb immer ambivalent, auch wenn die FW unter ihm einen steilen Aufstieg hinlegten. Als vergangenen Sommer die Flugblattaffäre über Aiwanger hereinbrach, wollte sich Grein aber nicht der Reihe an Kritikern anschließen. „Die Freien Wähler nicht nur in Bayern, sondern auch in den anderen Bundesländern wollen auch künftig unter einem so populären Vorsitzenden ihre Arbeit verrichten“, stellte er klar.
Grein blieb also ein überzeugter FWler. Er habe „es geschafft, aus vielen losen Wählergruppierungen eine landesweit relevante politische Kraft zu formen“, sagt Fraktionschef Florian Streibl. „Wir haben ihm viel zu verdanken“, findet auch Ex-Minister Michael Piazolo.
Grein galt als politischer Ziehvater der heutigen Kultusministerin Anna Stolz. Als sie im Oktober vereidigt wurde, war er einer der ersten Gratulanten. Wobei: Dem heutigen Bündnis mit der CSU stand er eher skeptisch gegenüber. „Ich habe schon immer davor gewarnt: Wer sich mit der CSU ins Bett legt, kommt darin um.“ M. SCHIER