Kürzlich konnten wir nicht schlafen. Und so kam es, dass Agnes, Klara und ich nach Mitternacht am Ufer unseres Sees saßen und in den Nachthimmel blickten. Da schnatterte Agnes stolz los: „Dunkel war’s, der Mond schien helle.“ Verdutzt quakte Klara: „Das geht doch gar nicht.“ Und Agnes erklärte, dass ein bekanntes Scherzgedicht mit genau diesen Worten beginnt. „Das Witzige an diesem Gedicht, dessen Autor unbekannt ist, ist, dass es voller sich widersprechender Aussagen steckt. Das nennt man Paradoxien. Schon am Anfang steht ein Oxymoron, ein anderes Wort für so eine Gegensätzlichkeit: Schließlich kann es kaum dunkel sein, wenn der Mond hell scheint“, meinte Agnes, räusperte sich und trug das Gedicht vor:
„Dunkel war’s, der Mond schien helle,/ schneebedeckt die grüne Flur,/ als ein Wagen blitzesschnelle,/ langsam um die Ecke fuhr./ Drinnen saßen stehend Leute,/ schweigend ins Gespräch vertieft,/ als ein totgeschoss’ner Hase/ auf der Sandbank Schlittschuh lief./ Und ein blondgelockter Jüngling/ mit kohlrabenschwarzem Haar/ saß auf einer grünen Kiste,/ die rot angestrichen war./ Neben ihm ‘ne alte Schrulle,/ zählte kaum erst sechzehn Jahr,/ in der Hand ‘ne Butterstulle,/ die mit Schmalz bestrichen war.“ Eure Paula