Eine Frage trieb Engelbert Aigner um: Wie viele Meter Wollgarn stecken eigentlich in einem handgestrickten Paar Strümpfe? Der Berchtesgadener ist Lederhosenmacher mit einer Leidenschaft fürs Handwerk. „Wir wollten eigentlich nur zeigen, wie viel echtes Handwerk in so einem Strumpf steckt“, sagt er. In seinem Betrieb arbeiten mehrere Handstrickerinnen. „Die meisten haben keine Vorstellung, wie viele Meter Wolle für einen Strumpf benötigt werden“, betont Aigner. Ihm und seinen Mitarbeitern ist es gelungen, das herauszufinden. Dafür waren sie quer durch Berchtesgaden unterwegs – mit Maßband. Ausgewählt hatten sie für ihr Projekt ein ausgebleichtes und löchriges Paar Herrenstrümpfe, das nicht mehr hätte verkauft werden können.
Zunächst stellte Aigner die Frage auf seinen Social-Media-Kanälen, seine Idee war, ein kleines Gewinnspiel daraus zu machen. Mit dem Faden in der Hand lief sein Bruder Simon los. „Unsere Auszubildenden schnappten sich ein 50-Meter-Maßband.“ Alles wurde gefilmt – im Internet war bereits das Ratefieber ausgebrochen. 234 Meter Wolle, schätzte einer. 335 Meter ein anderer. Hunderte gaben auf Instagram eine Schätzung ab. Simon Aigner lief vom Laden bis zum Marktbrunnen – begleitet von verwunderten Blicken. „Viele Leute wunderten sich, was wir da tun“, erzählt Engelbert Aigner. Und das Garn wollte kein Ende nehmen. Sein Bruder zog weiter durch die Gassen Berchtesgadens, die Azubis folgten ihm mit dem Maßband. Nach 300 Metern war immer noch viel Garn vorhanden, der Strumpf war noch lange nicht aufgebraucht. „So ein Kniestrumpf aus Wolle wiegt rund 100 Gramm“, sagt Engelbert Aigner. Vier Knäuel Wolle stecken in einem Paar, sagt seine Mitarbeiterin. Bevor der Socken aufgedröselt war, knackten die Maßband-Mädels die 400-Meter-Marke. Ganz genau vermessen sind es 411,39 Meter. Weil es zwei Strümpfe sind, macht das mehr als 822 Meter. „Ist schon enorm viel“, sagt der Lederhosenmacher und lacht.
Einige Mitratende im Internet lagen nah am tatsächlichen Ergebnis. Der, der am nächsten dran war, gewann ein paar handgestrickte Strümpfe. Ohne Löcher, versteht sich. KILIAN PFEIFFER