Haar – Das, was 2008 in einem Hippie-Haus in Haar im Kreis München passiert ist, klingt nach dem Drehbuch eines richtig schlechten Horrorfilms. Doch die Geschichte ist bitterer Ernst: Ein Paar geht für ein bizarres Liebesspiel auf den Dachboden. Dort lässt sich Sebastian H. an ein Bett fesseln. Dem 28-Jährigen wird von seiner Freundin Gabriele P. eine abgeklebte Taucherbrille aufgesetzt. Dann passiert das Unfassbare: Die damals 23-Jährige nimmt eine Handkreissäge, schneidet dem Mann damit erst den Brustkorb auf und sägt dann den Kopf ab. Die Leiche lässt sie fünf Monate lang auf dem Dachboden verwesen, bevor sie Sebastian H. mithilfe ihres neuen Lebensgefährten Christian K. im verwilderten Garten vergräbt. Durch einen Tipp aus dem Umfeld des Paares kommt das Verbrechen acht Jahre später ans Tageslicht.
Bei der Urteilsverkündung gegen Gabriele P. folgte im Jahr 2017 der nächste Schock. Die Frau wurde vom Landgericht nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags verurteilt. Ihre Strafe: zwölfeinhalb Jahre Knast.
Laut Richter Michael Höhne sei nicht nachweisbar gewesen, dass Gabriele P. aus Heimtücke gehandelt hat – ob die Tat von langer Hand geplant oder das Ergebnis einer situativen Entscheidung gewesen ist. Die Tötung selbst hatte die Frau vor Gericht gestanden. Ihr wahres Motiv behielt sie in der Verhandlung aber für sich.
Über die Beziehung sagte die damals 32-Jährige: „Wir waren zwei Jahre glücklich.“ Dann habe der Student sein wahres Gesicht gezeigt: Dazu sollen Drogen, Alkohol, Gewaltfantasien und heftige Sex-Praktiken gehört haben. Hat der Student Gabriele P. wirklich tyrannisiert? Wollte sie ihn einfach nur loswerden? Zu den unfassbaren Details gehört, dass das Leben im Hippie-Haus nach der Tat weiterging. Als das Paar 2015 seine buddhistische Hochzeit im Garten gefeiert hat, war Sebastian H. ihm ganz nah – in der Erde unter ihren Füßen. NADJA HOFFMANN