Würzburg – In einem Kinderhaus unweit von Würzburg soll es zu schweren gewaltsamen Übergriffen gekommen sein. Zwei ehemalige Erzieherinnen müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Eine von ihnen ist die frühere Leiterin der Kindergruppe. Ihre Schilderungen machten die Zuhörer im Gerichtssaal fassungslos. „Die Kinder haben vor Schmerzen geweint“, erzählt die 37-Jährige von den mutmaßlichen Übergriffen der ihr unterstellten Kollegin. Wenn etwa ein Kind nicht mehr essen wollte, habe die 30-Jährige ihr „den Löffel mit dem Essen reingestopft, dass es sie gewürgt hat und erbrechen musste“. Das Erbrochene habe das Mädchen dann selbst wegwischen müssen.
Die Leiterin soll die Übergriffe ihrer Kollegin mitbekommen, sie aber erst rund ein Jahr später gemeldet haben. Deshalb steht sie wegen Unterlassens vor Gericht. Sie schilderte in ihrer Aussage, dass Kinder grob angepackt, angeschrien und so misshandelt worden sein sollen, dass sie Hämatome hatten. Einen Jungen habe die 30-jährige Erzieherin zur Strafe von einem Hochbett auf den Boden gezerrt, andere in einen dunklen Raum gesperrt. Vor Gericht versuchte die 37-Jährige zu erklären, warum sie nicht einschritt: „Ich hatte Angst, dass mir keiner glaubt.“
Die 30-Jährige hingegen bestreitet, Kindern absichtlich wehgetan oder sie gar gequält zu haben. Die mittlerweile arbeitslose Erzieherin spricht von Überforderung, Personalmangel und einer teils kurzen Zündschnur. „Teilweise war ich oft auch allein“, sagte die Angeklagte. Sie war in der Gemeinde-Kita zeitweilig für bis zu zwölf unter Dreijährige verantwortlich.
„Sie hat nie ein Kind zu Boden geknallt“, beteuert ihr Anwalt. Auch Zwangsfütterungen habe es durch sie nicht gegeben. „Es war ein normaler Fütterungsvorgang. Das Kind wollte nicht“, sagt der Verteidiger. Nachdem das Mädchen erbrochen habe, habe seine Mandantin das Füttern beendet.
Der Jurist räumt aber ein: In manchen Situationen Ende 2021, Anfang 2022 habe sich die 30-Jährige unangemessen und inakzeptabel verhalten. Wenn sie ein Kind mal unter den Armen gepackt und auf den Po gesetzt habe, könnte es auf objektive Betrachter unsanft gewirkt haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vorsätzliche Körperverletzung in acht Fällen, Nötigung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Es geht um mindestens vier Opfer – ein Mädchen und drei Jungen – im Alter zwischen 18 Monaten und zwei Jahren. Die Staatsanwaltschaft vermutet private Probleme zwischen den beiden Erzieherinnen als Tatmotiv. So sollen beide Frauen unter anderem für eine weitere Frau geschwärmt haben. Wörter wie Rache und Eifersucht fielen zu Prozessbeginn.
Laut Familienministerium haben alle Kitas im Freistaat ein Gewaltschutzkonzept. Darin steht etwa, wie Gewalt verhindert oder Fälle aufgearbeitet werden können. Dabei geht es längst nicht nur um körperliche Misshandlungen wie Prügel oder Ohrfeigen. Auch um psychische Gewalt – wenn Kinder angebrüllt, sozial isoliert oder erniedrigt werden. Gerade bei den ganz Kleinen, die noch nicht richtig sprechen können, ist es allerdings ohne typische Anzeichen wie blaue Flecke schwierig, Betreuer zu überführen.
Für die Verhandlung sind Termine bis Anfang Juni angesetzt.