Esting – „Nur wenn man weiß, dass Regionalität einen Mehrwert für die Region hat, ist man im Zweifel bereit, ein paar Cent mehr zu bezahlen.“ Was Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) gestern beim Besuch der Zentrale des Netzwerks „Unser Land“ in Esting (Kreis Fürstenfeldbruck) feststellt, zeigt auch die derzeitigen Schwierigkeiten bei der Vermarktung regionaler Lebensmittel. Hohe Energiekosten und allgemeine Teuerung haben zu einem zurückhaltenden Einkaufsverhalten geführt, was Judith Schermann, Prokuristin bei „Unser Land“, Trading Down-Effekt nennt: Verbraucher kaufen ihre Lebensmittel nicht mehr im Bio-Laden, sondern im Supermarkt. Wer bislang im Supermarkt einkaufte, gehe jetzt zum Discounter. Immer mehr Verbraucher griffen zu den Eigenmarken des Einzelhandels – nicht zu Markenartikeln.
2023 hat „Unser Land“ das schmerzhaft zu spüren bekommen: Elf Prozent weniger Umsatz verzeichnete das Netzwerk. Aber es geht wieder bergauf. „Es war ein gutes Ostergeschäft“, sagt Schermann. Es sei noch nicht alles super, aber „wir haben ein kleines Plus im Vergleich zum Vorjahr“. Geschenke konnte Hubert Aiwanger gestern nicht mitbringen, aber er versicherte, dass es der Politik wichtig sei, regional hochwertige Waren zu erhalten – „nicht, dass man am Ende kapituliert vor der Billigkonkurrenz aus dem Ausland“. Er will Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel führen, damit sie den regionalen Produkten „genügend faire Regalmeter“ einräumen. „Macht noch mehr regional“, will er sie auffordern – sie sollen nicht nur die Einheitsware anbieten, „die europaweit rausgeballert wird“.
Aiwanger sieht, dass der Wettbewerb für regionale Waren schwierig ist: Einerseits leiden Produzenten unter hohen Energiekosten, Maut, hohen Steuern, andererseits gibt es billige Importware aus der Ukraine oder aus Rumänien. „Wir müssen uns bei Kontrollen bewusst machen, dass man hier nicht übers Ziel hinausschießt.“ Während man bei Importware auf Qualitätsstandards vertraue, die von den Herkunftsländern garantiert würden, „schaut man bei unserer heimischen Ware noch besser hin“. Das müsse eher andersherum sein. Aiwanger versprach, mit Parteifreund und Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber über mögliche Vereinfachungen zu sprechen.
Der Wirtschaftsminister appelliert an die Verbraucher, regionale Lebensmittel zu unterstützen. Das Wasser für die Münchner Bürger etwa komme aus dem Mangfallgebiet – wo 80 Milchviehhalter deutliche Produktionseinschränkungen bei ihrer Milch haben wegen des Wasserschutzes. „Zum Dank müsste der Münchner diese Milch zu einem Superpreis trinken, damit diese Bauern dort weiterhin so produzieren können und nicht irgendwann aufhören.“ Das Mangfalltal ist laut Adriane Schua, Vorsitzende des Dachverbands „Unser Land“, landschaftlich traumhaft und zeige, was nachhaltige Bewirtschaftung bewirke: „Auch das muss einem ein höherer Milchpreis wert sein.“
So weit geht die Liebe zu regionalen Lebensmitteln aber nicht, dass Aiwanger in Milch baden würde. „Dass ich baden gehe, haben sich schon viele gewünscht“, scherzt er – und düst weiter zum Spargelstechen nach Niederbayern. cm