Das wahre Leben der Bergbauern

von Redaktion

Der Fotograf Einwanger hat ein ergreifendes Porträt eines harten Berufs geschaffen

Oberaudorf – Klaus Maria Einwanger (57) ist ein erfolgreicher Fotograf, er hat vor einer Weile einen Bildband über Taxifahrer in Japan, New York und London veröffentlicht. Für sein neues Werk ist er daheim in Oberbayern geblieben. Über fünf Jahre hat er Bergbauern begleitet: vom Kainzenhof in Gmund, Oberrisshof am Schliersee, Hölzlhof und Brandstatterhof in Waakirchen, Scharlhof und Seebacherhof in Bad Feilnbach, Schreyerhof in Fischbachau und vom Gloggnerhof in Kreuth. Frühling, Sommer, Herbst, Winter, am Tag und in der Nacht. „Bergbauern“ heißt das 285 Seiten starke Buch (48 Euro, Vertrieb durch KME GmbH). Ein ehrliches, umfassendes Porträt eines harten Berufes. 15 Bilder werden im Kulturforum Klosterkirche in Traunstein gezeigt.

Genau darum ging es dem Fotografen, der in München geboren ist, aber seit 25 Jahren in Oberaudorf wohnt. Zu zeigen, wie die Welt der Bergbauern funktioniert, wie schwer die Arbeit ist, woher die Milch für Käse und Joghurt im Supermarktregal kommt. Er ist mit der Landwirtschaft aufgewachsen, seine Ferien hat er als Kind auf den Höfen von Onkel und Tante verbracht. Mit seinem Bildband, den die Bergader Privatkäserei unterstützt hat, will er weg vom Klischee, „weg von der lila Kuh“, wie er sagt. Er zeigt angebundene Kühe, mistverschmierte Wände, Bauern, die mit der Flex Klauen schneiden. Die Realität. Man sieht aber auch die tiefe Liebe der Bauersleut zu den Tieren, zur Arbeit.

Manchmal ist auch die Wirklichkeit postkartenschön. Der Jungbauer beim Mähen seiner Hangwiese. Der Bauer mit seinem Enkel auf einer Wiese, sein Hof ist schon seit 600 Jahren in Familienbesitz. Oder die Szene von unserer Titelseite, in der ein Senner zwei Tiere krault. Bilderbuch. Aber: „Da ist nichts gestellt“, sagt Einwanger. Das Foto entstand beim abendlichen Rundgang, die Rinder kamen zum Senner. Als ob sie sich verabschieden wollten für die Nacht. Gänsehaut-Momente für den Fotografen, die möglich waren, weil die Bauern ihm vertrauen. Sie haben ihm auch erzählt, was ihnen Sorgen bereitet: Bürokratie, der niedrige Milchpreis, die geringe Wertschätzung. „Niemand macht diese Arbeit für Geld“, sagt Einwanger. „Das Herzblut ist ergreifend.“ Das Buch ist es auch. CARINA ZIMNIOK

Die Ausstellung

im Kulturforum Klosterkirche Traunstein geht vom 19. bis 21. April. Das Projekt läuft unter www.bergbauern-erleben.de weiter.

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