In Grafing stand am 6. Mai die Unterführung unter Wasser. © TG
Vor Kurzem zog diese Unwetterzelle über Oberbayern hinweg, bei Tauting wurde sie fotografiert. © Dominik Bartl
München – Erst heftige Überschwemmungen im Saarland und in Rheinland-Pfalz, dann ein Blitzschlag in den Dresdener Elbauen mit zehn Verletzten. Und in Bayern immer wieder Sturzbäche vom Himmel – zum dritten Mal in drei Wochen. „Teils kräftige Schauer und Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen“ sagt der Deutsche Wetterdienst DWD für heute voraus. „Auch im weiteren Verlauf der Woche sind in den nächsten Tagen örtlich kräftige Gewitter mit Unwettergefahr nicht ausgeschlossen.“ Und es wird auch langfristig nicht viel besser. Wetterexperten sagen für den Sommer statt sanftem Grillwetter ein Auf und Ab aus lauer Spar-Sonne und nassen Phasen vorher. Hagel, Starkregen & Co. sind immer wieder möglich.
Der Grund für die aktuellen miesen Aussichten ist ein Höhentief über Bayern, das nicht vom Fleck kommt, weil es zwischen einem Hoch in Osteuropa und einem Hoch am Atlantik eingeklemmt ist. Es schleicht hin und her, baut sich immer neu auf. „Unsere Modelle zeigen weiterhin eine durch Schauer und Gewitter geprägte Witterung an“, sagt Dirk Mewes, Meteorologe beim DWD. „Es gibt zwischendurch kurze Pausen, aber zunächst noch keine stabilen Phasen, in denen Hochdruck-Einfluss dominiert.“ Regenmengen von 40 bis zu 100 Litern pro Quadratmeter werden erwartet – was auch zu Schäden an Gebäuden, Autos und am Hausrat führen kann. Das heißt: Wie schon mehrfach erlebt, sammelt sich das Wasser in Unterführungen oder in Senken, wie zuletzt zum Beispiel in Grafing im Kreis Ebersberg. Oder in Hauskellern. Auch „kleiner Hagel“ wird in nächster Zeit vermehrt erwartet. Dieser bringt zwar keine Schäden wie Beulen in Autos, aber er „kann Einfluss auf den Straßenverkehr haben“, so Mewes.
Zwar sind exakte Wettervorhersagen nur für die nächsten zehn Tage möglich. Klimavorhersagen greifen dagegen für längere Zeiträume – doch auch die halten keine besseren Aussichten bereit. „Es sieht ein bisschen danach aus, als ob es für den Rest des Jahres so bleibt, wie es jetzt ist“, sagt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q-Met. „Der Sommer wird nicht unbedingt superwarm, sondern nur ein halbes bis ein Grad wärmer als die Durchschnittstemperatur, und die liegt bei etwa 18 Grad.“ Dafür werde es aber feuchter als sonst, und vermutlich durchbrechen immer wieder Regenschauer das etwas schwüle Wetter. Auch Mewes sagt einen „Wechsel aus trockenen Phasen und feuchten Luftmassen mit Starkregen“ voraus. Daneben seien auch Dürreperioden möglich. Ein Jo-Jo-Sommer mit Krach-Gefahr.
Noch gibt es bei den Wetterdiensten keine handfesten Zahlen, die dauerhaft verändertes Wetter belegen. Doch die Experten haben aufgrund ihrer Erfahrung keinen guten Eindruck. „Es gibt eine Tendenz zu erhaltenden Wetterlagen“, sagt Jung. „Das heißt, das Wetter neigt immer öfter dazu, so zu bleiben, wie es gerade ist, und das öfter mit Starkregen. Auch, dass die Abstände zwischen großen Wetterereignissen abnehmen, ist beunruhigend.“ Und Mewes meint auf die Frage, ob er durch die gehäuften Extremereignisse alarmiert ist: „Klar. Wenn sowas gehäuft auftritt, ist das ein Hinweis darauf, den Klimawandel ernst zu nehmen.“ ISABEL WINKLBAUER