Gebirgsschützen erobern Garmisch

von Redaktion

Fest der Superlative: 9000 Teilnehmer beim Alpenregionstreffen erwartet

Hauptmann Thomas Maurer freut sich. © Peter Krinninger

Vorbereitungen mit Schmalz: Die Gebirgsschützen haben im Ort gemeinsam das Zelt aufgebaut. © MUNZ

Ein prachtvoller Festumzug vor einer Traumkulisse: Das Alpenregionstreffen findet alle zwei Jahre statt. Dieses Bild entstand in Garmisch. Am Sonntag werden dort über 9000 Schützen und Musikanten erwartet. © picture alliance

Garmisch-Partenkirchen – Auf diesen Tag fiebert Thomas Maurer schon lange hin: Am Sonntag wird er seine Uniform anlegen, sich sein Gewehr umhängen und Schulter an Schulter mit über 9000 anderen Gebirgsschützen durch Garmisch-Partenkirchen marschieren. „Das wird besonders“, sagt der Hauptmann der dortigen Gebirgsschützen. „Zuletzt hat das 9. Alpenregionstreffen 1986 bei uns stattgefunden, jetzt sind wir beim 27. wieder Gastgeber. Bisher hat nur ein einziger Ort das Treffen zweimal ausgerichtet.“

1986. Damals hat Maurer als Jungspund am Marsch teilgenommen. Er war Trommler und sein Vater Simon hatte als Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie das Alpenregionstreffen unterhalb der Zugspitze organisiert. Dieses Mal tritt der 61-Jährige in dessen Fußstapfen und hat die Planung übernommen, sie läuft seit gut fünf Jahren.

Ehemalige Feinde feiern Frieden und Freundschaft

Das Erstellen eines Sicherheits- und Verkehrskonzepts hat der jüngeren Generation das ein oder andere graue Haar wachsen lassen. „Das war 1986 bestimmt anders“, erzählt Maurer. „Unvorstellbar, wie die Leute das damals ohne Handy geschafft haben.“

Jetzt zahlt sich der organisatorische Kraftakt aus. Anfang der Woche haben gut 70 Gebirgsschützen gemeinsam das große Zelt im Ort aufgestellt. Mit Schmalz, das schweißt zusammen. Am Sonntag müssen hier die über 300 Schützenkompanien aus dem ganzen Alpenraum verköstigt werden. In 180 Bussen reisen die Kameraden zum Festumzug an – und werden nach der Feldmesse und dem Salutschießen mit Hunger und Durscht ins Zelt einkehren. Begleitet von rund 80 Musikkapellen, Trommler- und Spielmannszügen. „Ausgehen wird uns das Bier aber nicht“, sagt Maurer und lacht. „Das hat uns die Brauerei Reutberg versprochen.“ Und weil Frauen ja keine Schützinnen sein dürfen, stehen sie als fesche Marketenderinnen mit ihren Schnapsfässchen bereit.

Das Festprogramm läuft schon jetzt. Der Oimara und die Fäaschtbänkler haben das Zelt gestern Abend beben lassen. Heute steht ein Tanzlmusi-Abend an. „Von wegen angestaubt. Wir wollten der Jugend auf jeden Fall was bieten“, sagt Maurer. Richtung Wochenende wird es dann traditioneller. Höhepunkt des 27. Alpenregionstreffen wird der besagte Gottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx und Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Schirmherrin am Sonntag sein.

Die Alpenregion der Schützen wurde am 13. April 1975 in Innsbruck gegründet. Ihr gehören die Schützenbunde aus Bayern, Tirol und Südtirol an. Das sogenannte Alpenregionstreffen fand 1978 zum ersten Mal statt, seitdem wird es alle zwei Jahre gefeiert. Die Schützenbunde wechseln sich als Gastgeber ab, die einzelnen Kompanien bewerben sich dafür. Das letzte grenzüberschreitende Schützentreffen der Superlative hat in Bayern 2016 in Waakirchen im Kreis Miesbach stattgefunden. 2022 sind alle Schützen nach St. Martin ins Südtiroler Passeiertal gereist, und heuer eben ins Werdenfelser Land.

Drei Länder, ein Brauch. Die Passeier Schützen werden den Garmischern am Samstagabend schon eine Art Wanderfahne überreichen. Ein olympisches Feuer in der Welt der Schützen. Und wofür das Treffen samt Zeremoniell? „Früher mussten die Gebirgsschützen ja aufeinander schießen“, sagt Thomas Maurer. „Heute sind wir Kameraden, es geht um Gemeinschaft. Wir haben eine gemeinsame Sprache und glauben an den gleichen Gott.“ Die Gebirgsschützen tragen ihre Waffen heute im Frieden der Tradition wegen.
SCO

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