„Arbeit nicht transparent“

von Redaktion

Zwischenbilanz zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Kirche

München – „Was soll man eigentlich noch machen?“ – Diese Frage hat sich die Unabhängige Aufarbeitungskommission für sexuellen Missbrauch (UAK) im Erzbistum München und Freising nach drei Jahren Tätigkeit gestellt. Das Gremium, das die Maßnahmen der Erzdiözese zur Aufarbeitung des Missbrauchs kritisch und beratend begleitet, ist gerade in seine zweite Amtszeit gestartet. Von einer gesamtgesellschaftlichen Befriedung bei dem schwierigen Thema des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche kann noch nicht die Rede sein, stellt Michaela Huber, Vorsitzende der UAK, fest.

Die bei der Deutschen Bischofskonferenz angesiedelte Unabhängige Kommission für die Anerkennungsleistungen, die UKA abgekürzt wird und daher schnell verwechselt wird mit den diözesanen UAKs, arbeitet nicht transparent, lautet ein Vorwurf. Dieses Gremium entscheidet über die Höhe der kirchlichen Anerkennungsleistungen, die die katholische Kirche an Missbrauchsbetroffene zahlt. „Die Summe geht uns nichts an, aber an die Transparenz muss man ran“, sagt Huber. Mit allen Aufarbeitungskommissionen der 27 deutschen Bistümer soll nun eine Empfehlung an die Deutsche Bischofskonferenz erarbeitet werden. „Die Betroffenen müssen eine Begründung für die Entscheidung über die Höhe ihrer Anerkennungsleistung bekommen“, sagt die Psychologin aus Dachau. Es müsse ein Standard entwickelt werden, nach dem die Entscheidungen gefällt werden.

Dem Erzbistum bescheinigt Michaela Huber, dass die Diözesanleitung die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals inzwischen proaktiv angehe. Das heißt, dass die Initiative dazu vom Ordinariat ausgehe. „Strukturell ist hier sehr viel gelaufen“, sagt sie – sowohl in der Bearbeitung von Fällen aus der Vergangenheit und der langfristigen Begleitung von Betroffenen als auch bei der Handhabung von aktuellen Verdachtsfällen und bei der Vorbeugung von sexuellem Missbrauch. Trotzdem werde beobachtet, dass Pfarrer des Themas müde würden. Die UAK hatte angeregt, dass – um das Dunkelfeld des Missbrauchs zu erhellen – in allen Pfarreien in den Schaukästen der Kirchen Flyer aufgehängt werden, in denen Missbrauchsbetroffene ermutigt werden, sich zu melden. Das Erzbistum erklärt darin ausdrücklich, dass es zu seiner Verantwortung stehe und beschämt über die sexualisierte Gewalt im Raum der Kirche ist. Das Ordinariat hatte der UAK zugesagt, dass die Flyer aufgehängt werden – Stichproben hätten aber gezeigt, dass das vielerorts nicht passiert sei.

Huber vermisst zudem Elemente des Projektmanagements im Aufarbeitungsprozess der Kirche. Zwischen- und Fernziele müssten definiert werden. Die Psychologin treibt vor allem die Frage an, wie man die Betroffenen erreicht, die noch nicht über ihr Trauma sprechen konnten. Arbeit genug für eine zweite Amtszeit. CLAUDIA MÖLLERS

Artikel 4 von 11