Mehr Keuchhusten-Fälle in Bayern

von Redaktion

Ein Mädchen liegt hustend im Bett. Viele Kinder leiden gerade an Keuchhusten. Ärzte raten zur Impfung. © Picture Alliance

München – Keuchhusten ist nicht nur eine sehr ansteckende Krankheit – sie kann besonders kleinen Kindern schwer zu schaffen machen. Während Jugendliche und Erwachsene meist mit einem starken, lang anhaltenden Husten zu kämpfen haben, können bei Säuglingen schwere Komplikationen auftreten. Die quälenden Hustenattacken können zum Erbrechen führen und sogar Leisten- und Rippenbrüche verursachen, berichtet Christian Weidner, Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Vor allem im ersten Lebensjahr komme es manchmal zu Lungenentzündungen oder sogar zum Atemstillstand.

Aktuell gibt es sehr viele Keuchhustenfälle in Bayern. Registriert wurde die Krankheit seit Jahresanfang 1168 Mal – das sind 791 Fälle mehr als im selben Zeitraum im Vorjahr. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) ist deswegen alarmiert. Sie wirbt gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Impfen (LAGI) für einen Impfschutz vor dieser Krankheit. „Keuchhusten ist sehr ansteckend“, betont sie. Und Erwachsene seien eine häufige Ansteckungsquelle. Keuchhusten ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen übertragen wird.

Gerlach verwies darauf, dass ein Neugeborenes bereits durch die Impfung der Mutter während der Schwangerschaft geschützt werden könne. Auch ein gesundes und vollständig geimpftes Umfeld könne zum Schutz beitragen. Kinder und Erwachsene sollten laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen Keuchhusten geimpft sein. „Eine Impfung schützt ebenso wie eine durchgemachte Erkrankung leider nicht dauerhaft vor einer erneuten Infektion“, erklärt LGL-Präsident Weidner. Ziel sei daher eine möglichst frühzeitige und vollständige Grundimmunisierung der Säuglinge und Kleinkinder sowie Auffrischungen im Vorschul- und Jugendalter. Die Impfung Erwachsener diene als Selbstschutz wie als wichtiger Herdenschutz für Kinder.

Für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter werden in der Regel drei Impfungen im Alter von zwei, vier und elf Monaten mit einem Kombinationsimpfstoff empfohlen, der gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B schützt. Es folgen nach mehreren Jahren Auffrischungsimpfungen. Allen Erwachsenen wird eine einmalige Impfung empfohlen. Einen besonderen Stellenwert habe die Impfung gegen Keuchhusten bei Schwangeren: Sie schütze die Schwangere und nach der Geburt den Säugling durch mitgegebene Antikörper der Mutter.

Nicht nur Keuchhusten ist gerade auf dem Vormarsch. In ganz Deutschland erkranken aktuell auch viele Kinder an den Ringelröteln. Ärzte sprechen bereits von einer „kleinen Epidemie“. Ringelröteln machen sich durch einen Ausschlag am ganzen Körper bemerkbar.

Die Krankheit ist nicht meldepflichtig, deshalb ist die Dunkelziffer wohl sehr hoch. Das Robert-Koch-Institut erfasste 2021 insgesamt 50 Fälle, 2022 waren es 31, vergangenes Jahr schon 555. Und in den ersten Monaten dieses Jahres sind es bereits 698 Fälle.

Ringelröteln ist eine klassische Kinderkrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Sie verläuft aber meist harmlos. Viele Kinder haben gar keine Symptome, einige Kopfschmerzen oder Fieber. Der Ausschlag kommt meist erst später – zu diesem Zeitpunkt sind die Kinder schon nicht mehr ansteckend.
MM/DPA

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