Milliardenschäden durch Unwetter in Bayern

von Redaktion

Versicherer-Bilanz: Deutlicher Anstieg der Meldungen im vergangenen Jahr – Debatte um Elementarschutz

Riesige Hagelkröner stürzten im vergangenen August in Bad Bayersoien vom Himmel. © Dominik Bartl

Ein Hagelunwetter verwüstete voriges Jahr Bad Bayersoien im Kreis Garmisch-Partenkirchen. © Hans-Helmut Herold

München – Hagel, Sturm und Starkregen sind in den vergangenen Wochen häufig über Bayern hinweggefegt. Aber schon im vergangenen Jahr hat sich die Summe der Unwetterschäden in Bayern nach Angaben der Versicherungswirtschaft deutlich erhöht. Wetterextreme wie Sturm, Hagel, Starkregen und Hochwasser sorgten 2023 für Schäden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro, wie eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Montag in Berlin mitteilte. Im Vorjahr hatte die Schadenssumme demnach noch 700 Millionen Euro betragen.

Auf Schäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben entfielen den Angaben zufolge rund 1,2 Milliarden Euro. Dazu kamen rund 830 Millionen Euro bei den Kfz-Versicherern.

Beim Blick auf die Häufigkeit von Schäden an Wohngebäuden lag Bayern 2023 demnach bundesweit an zweiter Stelle. Von 1000 Versicherungsverträgen für Wohngebäude waren im Schnitt 27,3 von einem Sturm- und Hagelschaden betroffen (2022: 17,7). Nur in Schleswig-Holstein (31) waren laut GDV im Verhältnis noch mehr Wohngebäude betroffen.

Auch die Schäden durch Starkregen und Hochwasser haben laut der Versicherungswirtschaft deutlich zugenommen. Auf 1000 Versicherungsverträge mit Elementardeckung kamen im vergangenen Jahr demnach 9,5 Schadensmeldungen (2022: 4,5). Einen deutlichen Anstieg verzeichnete der Verband zudem bei Unwetterschäden in der Kfz-Versicherung mit 19,3 Betroffenen pro 1000 Verträge (2022: 8,8).

Während fast alle Wohnhäuser im Freistaat laut GDV-Statistik gegen Sturm und Hagel abgesichert sind, verfügen demnach nur 47 Prozent der Hausbesitzer in Bayern über eine Versicherung gegen sogenannte Elementarrisiken wie Starkregen und Hochwasser. Im Bundesdurchschnitt betrage der Anteil dagegen 54 Prozent.

Als Reaktion auf die Naturgewalten kam zuletzt erneut aus der Politik die Forderung nach Einführung einer Pflichtversicherung für Elementarschäden auf. Darüber wollen die Ministerpräsidenten der Länder im nächsten Monat mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) sprechen. Dazu sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen: „Eine Pflichtversicherung als alleiniges Mittel hilft niemandem – weder Hausbesitzern noch Ländern und Kommunen.“

Der Fokus beim Schutz vor Naturgefahren müsse auf Klimafolgen-Anpassung liegen, forderte der Hauptgeschäftsführer. „Wir benötigen eine Verankerung der Anpassung an den Klimawandel im Bauordnungsrecht, weniger Flächenversiegelungen und Bauverbote in Überschwemmungsgebieten.“
DPA

Artikel 7 von 11