Garmisch-Partenkirchen – Neue Untersuchungsergebnisse zum Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen liegen vor: Demnach sind von außen teils nicht erkennbare Materialschwächen an den Bahnschwellen eine wesentliche Ursache. Zu diesem Ergebnis kommt ein Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU), der gestern zum zweiten Jahrestag des Unglücks veröffentlicht wurde. Am 3. Juni 2022 war ein Regionalzug entgleist. Fünf Menschen starben, 78 wurden verletzt.
Die Untersuchungen zeigten chemische Reaktionen auf, die sich nach dem Herstellungsprozess von Betonbauteilen entwickeln und zu Schädigungen führen. Dem Bericht zufolge hatte die Bahn bereits 2018 Vorschriften erlassen, wie materialbedingte Fehler an den Schwellen, die es seit jeher gab, erkannt werden können – nämlich durch Augenschein. Was allerdings damals offensichtlich nicht klar war: dass die Schäden und Risse von außen teils nicht zu sehen sind.
Die BEU empfiehlt als Konsequenz, „ein technisches Verfahren zur vollumfänglichen Prüfung des Zustandes von Spannbetonschwellen aller Hersteller im eingebauten Zustand zu entwickeln“. Und: „Es wird empfohlen, eine zentrale Rückverfolgbarkeit verbauter Spannbetonschwellen zu gewährleisten.“
Denn, so die BEU: „Die inneren Schädigungen waren bei den untersuchten Spannbetonschwellen deutlich höher als von außen erkennbar. Zudem fand die Rissbildung teilweise in dem durch Schotter, Schiene und Kleineisen bedeckten Bereich statt.“
Die BEU hatte bereits in ihrem ersten Zwischenbericht vor einem Jahr dargelegt, dass marode Schwellen Hauptursache des Unglücks waren. Die Bahn habe „direkt nach einem ersten Anfangsverdacht eines möglichen Herstellungsfehlers“ die Schwellen ins Visier genommen, teilte eine Sprecherin mit. Die Erkenntnisse der Inspektionen und materialtechnischer Untersuchungen habe die DB zum Anlass genommen, Schwellen mit einem bestimmten Gesteinsgemisch „präventiv zu überprüfen und höchst vorsorglich auszutauschen“. „Die Schwellen sind deutschlandweit verbaut.“ Die Bahn hatte als Konsequenz aus dem Unglück eine Überprüfung der Schwellen bundesweit gestartet und eine halbe Million Schwellen ausgetauscht. Das sei etwa fünfmal mehr als üblich, sagte eine Sprecherin. Dieses Jahr sei ein Austausch in vergleichbarer Größenordnung geplant.
Die Untersuchungen zu dem Unglück sind noch nicht abgeschlossen. Offen ist auch, ob es strafrechtlich Verantwortliche gibt. Im Dezember 2023 hatte die Staatsanwaltschaft München II Anklage gegen drei Bahnmitarbeiter wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung erhoben. Aber noch gibt es keinen Termin für einen Prozess. dpa