Die Kirche St. Wolfgang im Kreis Erding.
Pfarrer Martin Ringhof in einem Youtube-Video.
Mit seiner Kirchenmaus spricht Pfarrer Martin Ringhof, wenn er Kindern im Gottesdienst etwas erklären will. © Gabi Schlepp
St. Wolfgang – So lässt sich die Erstkommunion auch gut erklären: „Mit dem kleinen Stückerl Brot stärkt dich Gott in jeder Not“, rappt Pfarrer Martin Ringhof. Sein Sprechgesang und der lässige Klatschrhythmus hallen durch die Kirche, Ringhofs Messgewand schaukelt im Takt. „Für dich ham wir immer Platz, denn du bist für Gott ein Schatz.“ Die Mamas und Papas in den Kirchenbänken lächeln und filmen mit ihren Handys, die Geschwisterchen klatschen begeistert mit.
Es ist Erstkommunion in St. Wolfgang (Kreis Erding), die erste mit dem neuen Pfarrer und Erdinger Dekan Martin Ringhof. Und weil heute so viele Kinder in der Kirche sind, hat sich der 48-Jährige für sie einen Rap ausgedacht.
Auch im Sprechgesang klingt Ringhofs kräftige und opernhafte Stimme nach Pfarrer. Aber eben nach lässigem Pfarrer. Ringhof sieht auch aus, wie man es von einem Pfarrer erwarten würde, mit seiner runden Brille und den freundlichen Augen. Aber außerhalb der Kirche, auf seinem Instagram-Kanal, sieht man ihn mit schwarzer Lederjacke und verspiegelter Sonnenbrille – das passende Selfie zu seinem Rap.
Ringhofs witzige Art gefällt vielen, aber natürlich nicht allen Kirchgängern. Nicht jeder will in der Kirche lustige Sprüche oder Geschichten aus dem Alltag hören, sondern lieber „Hardcore-Bibelauslegung“, weiß er. Darum bekommt Ringhof manchmal auch Kritik: „Nach einer Hochzeit hat mir das Brautpaar mal gesagt, dass es den Gästen zu locker war“, erinnert er sich.
Doch bei einer Erstkommunion darf es ruhig unterhaltsam sein, findet Ringhof. Darum hält er mitten in der Predigt auf einmal seine Kirchenmaus in die Höhe – eine Handpuppe aus grauem Stoff. „Das ist ja alles ganz schön, was du sagst“, piepst die Maus mit wackelnden Armen dem Pfarrer zu. „Aber das musst du cooler machen, du musst rappen!“ Ringhof blickt sie erstaunt an: „Rappen? Hier in der Kirche?“, fragt er und ein Kinderlachen erschallt.
Martin Ringhof ist noch gar nicht lange so ein lockerer und humorvoller Pfarrer. Vor einigen Jahren hat ihn Kabarettist Helmut Schleich dazu inspiriert, als er bei einem Auftritt in Erding war. „Eine gute Freundin hat in der Pause zu mir gesagt: ,So müsstest du predigen!‘“, erzählt der Pfarrer. Von da an war ihm klar: Bei der Predigt kommt es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Form an. Und die entspreche eben oft nicht der heutigen Zeit oder der Zielgruppe.
Bei Ringhof tut sie das seitdem: Seinen Einführungsgottesdienst im neuen Pfarrverband startete er mit einem Pfarrer-Witz, die Predigt im Festgottesdienst zum Feuerwehr-Jubiläum gab’s als Gstanzl. Und an Fasching stand der Pfarrer mit Narrenkappe in der Kirche und disste Donald Trump. „Unter seiner Nicht-Frisur steckt mehr Unverstand als in einem Durchschnitts-Pubertant“, reimte er. „Mit manchem Teenie man weniger riskierte, wenn der statt dem Donald die Amis regierte.“ Auch die Bauernproteste kamen in seiner Faschingspredigt vor: „Glauben‘s mir: Hätten Pfarrer Traktoren, dröhnte mein Bulldog dem Papst in den Ohren.“
Oft bekommt Ringhof zu hören, dass es mehr Pfarrer wie ihn geben sollte. Aber voller sind die Kirchen auch bei ihm nicht. Der Anspruch an einen Gottesdienst sollte nicht sein, gut unterhalten zu werden, findet er. Man müsse aus einem anderen Grund in die Kirche gehen: „Es muss eine gute Gewohnheit sein, wie Sport. Wenn ich alle heiligen Zeiten mal jogge, tut mir alles weh. Aber wenn ich es regelmäßig mache, ist es leichter.“ Das Gefühl, dass das Kirchengehen den Menschen etwas bringt, auch wenn sie es nicht jedes Mal spüren, ist vielen verloren gegangen, meint er.
Mit seinen Youtube-Videos erreicht der gebürtige Berchtesgadener auch Menschen, die nicht in die Kirche gehen. Zugleich passt er sich damit dem heutigen Anspruch an: Auf dem Kanal gibt es statt eines einstündigen Gottesdienstes nur die fünf- bis zehnminütige Predigt – und die ist zu jeder Zeit verfügbar.
„Let’s talk about Sex“, heißt ein Video, in dem Ringhof in der Kirche über Sexualität spricht. In einem weiteren erzählt er, wie er mit Zweifeln am Glauben und am Priestersein umgeht. Und im Video mit dem Titel „Diversity und christliches Menschenbild“ beschreibt er, wie vielfältig die Heiligen der katholischen Kirche sind.
37 000 Aufrufe hat der Pfarrer auf Youtube und fast 800 Follower auf Instagram. Nach der Erstkommunion kommen sicher noch weitere Fans dazu: „Die Kinder haben den Rap echt gefeiert“, sagt Melissa Heber, die Mutter eines Kommunionkindes. Solche Dinge bleiben im Gedächtnis, findet auch der 20-jährige Lukas Schwimmer, der sich vor der Kirche mit seinen Verwandten zusammenstellt. „Noch in zehn Jahren werden wir sagen: Wisst ihr noch, die Kommunion damals, als der Pfarrer zum Rappen angefangen hat?“