Blick von oben: Auf der Baustelle für die zweite Stammstrecke hatte man eine Fliegerbombe vermutet. © Achim Frank Schmidt
Wegen des Metallschrotts schlugen am Mittwoch die Sonden an, am Freitag wurde er ausgegraben. © Feuerwehr
Entwarnung: Der Metallgegenstand, der am Mittwoch bei der Donnersbergerbrücke gefunden wurde, ist keine Bombe. Es handelt sich nur um Schrott. Die große Katastrophe ist also abgewehrt: Am Samstag muss hier auf der Baustelle der Zweiten Stammstrecke kein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Hunderte Menschen müssen ihre Wohnungen nicht räumen. Und trotzdem droht jetzt das Chaos: Der Fehlalarm schränkt die S-Bahn nachhaltig ein. Auf der Stammstrecke kommt es am Samstag zu massiven Einschränkungen.
Schon am Freitag um 11.11 Uhr hatte die Feuerwehr München die gute Nachricht öffentlich verkündet: „Das Kampfmittelentschärfungsteam ist bei der Freilegung des verdächtigen Gegenstandes zügig vorangekommen“, teilte ein Sprecher mit. „Um 10.30 Uhr stand fest: Bei dem Objekt handelt es sich lediglich um tief vergrabenen Metallschrott.“ Der ähnle in Form und Größe einer Fliegerbombe. Obwohl jetzt also alle Beteiligten aufatmen können, war die Aufregung berechtigt.
Längliche, rostige Rohre sind auf dem Bild zu erkennen, das die Feuerwehr danach veröffentlicht hat. Sie waren es, die den Einsatzkräften, aber auch den Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn seit Mittwoch den Schlaf geraubt hatten. Während Feuerwehr und Polizei einen Räumungsplan für drei mögliche Sperrbezirke – im 300, 500 und 700 Meter Radius um die mutmaßliche Bombe – erarbeitet haben, hat die DB einen Sonderfahrplan für Samstag ausgetüftelt. Und der gilt jetzt weiterhin, obwohl gar keine Bombe mehr entschärft werden muss.
Gut 23 Stunden hatte die DB Zeit, um die angedachte Stammstrecken-Sperre rückgängig zu machen. „Die Rückkehr vom Sonderfahrplan zum regulären Fahrplan ist leider nicht auf Knopfdruck möglich“, erklärte ein DB-Sprecher am Freitagmittag. Ein Sonderfahrplan lasse sich wegen der dichten Takte und mehr als 1000 Fahrten am Tag nur aufstellen, wenn Personal und Fahrzeuge komplett neu geplant werden. „Die S-Bahn setzt jedoch alles daran, trotz des Sonderfahrplans einzelne zusätzliche Züge durch die Stammstrecke fahren zu lassen.“
Trotz der Bemühungen wird es am Samstag aber zwischen zehn und 18 Uhr auf der Stammstrecke zu massiven Einschränkungen kommen. Nur die S8 fährt im 20-Minuten-Takt. Und die S3 – bei ihr werden die Takte im westlichen Außenbereich verdichtet. Sie fährt ab Lochhausen also alle 20 und ab Maisach alle 40 Minuten. Ab Mammendorf bleibt es beim Stundentakt. Im Osten der Stadt fahren die Bahnen bis Ostbahnhof und Giesing regulär. Der Fern- und Regionalverkehr fährt am Samstag ebenfalls wie gewohnt.
Die DB rät Fahrgästen zwischen Hauptbahnhof und Ostbahnhof die U5 zu nutzen oder eben Züge des Regionalverkehrs. Zwischen Pasing und Laimer Platz fahren außerdem im 10-Minuten-Takt Ersatzbusse, zwischen Allach, Untermenzing und Moosach alle 20 Minuten.
Nicht nur Fahrgäste brauchen am Samstag also starke Nerven, aus der Innenstadt wurde schon am Freitagvormittag Kritik an der Stammstrecken-Sperre laut: „Die Unternehmen der Innenstadt sind entsetzt über die Sperrung der Stammstrecke“, teilte Sprecher Wolfgang Fischer mit. „Für Handel, Gastronomie, Dienstleister, Kultureinrichtungen und Veranstalter ist der Samstag mit Abstand der wichtigste Tag der Woche. Gerade da kommen Menschen aus der Region, zumeist mit der S-Bahn.“ Wegen des Wetters sei schon vergangenen Samstag die Passantenfrequenz um 70 Prozent eingebrochen. „Niemand kann nachvollziehen, warum die Räumung ausgerechnet auf den wichtigsten Tag der Woche gelegt wurde, zumal ja schon von Mittwoch bis Freitag drei Tage gewartet wurde.“ CORNELIA SCHRAMM