Der protestantische Philosoph Friedrich Schlegel schrieb im 18. Jahrhundert: „Folgendes sind allgemeingültige Grundgesetze der schriftstellerischen Mitteilung: 1. Man muss etwas haben, was mitgeteilt werden soll. 2. Man muss jemand haben, dem man’s mitteilen wollen darf. 3. Man muss es wirklich mitteilen, mit ihm teilen können, nicht bloß sich äußern, allein; sonst wäre es treffender zu schweigen.“ Ob ich diese Kolumne wirklich schreibe?
Punkt 1 ist klar, ich habe schließlich eine Idee. Punkt 2 auch. Ich mag meine Leserschaft und die Redaktion erlaubt mir, für sie zu schreiben. Punkt 3 könnte das Problem sein. Es geht um Folgendes: An manchen Abenden sind mein Mann und ich zu müde, um uns für den Nachhauseweg des sonst überaus geschätzten öffentlichen Nahverkehrs zu bedienen. Ein Taxi muss her. Wir steigen in das Auto und geben dem Fahrer unsere Adresse. Wir wohnen in einer Straße, deren Name aus fünf Buchstaben besteht. Nicht allzu komplex. Gemeinhin müssen wir die Adresse ein paarmal wiederholen. Danach folgt die Bitte zu buchstabieren. Fünf Buchstaben mehrfach aufsagen, das ermüdet ein wenig. Ich dachte bislang, die Möglichkeiten, den Taxifahrer in Gang zu bringen, seien damit erschöpft. Falsch.
Kürzlich drückte mir der Chauffeur sein Navi in die Hand und sagte „Eingeben!“. Der kurze Wunsch war wohl der Absicht geschuldet, uns noch am selben Abend nach Hause zu bringen. Nachdem ich das Navi mit Daten gefüttert hatte, ging es auch schon los. Inzwischen weiß ich, dass es keine Ortskundeprüfung mehr gibt. Ich dachte irrtümlich, man sollte sich dort auskennen, wo man herumkutschiert. Aber um die „Erlaubnis zur Fahrgastbeförderung“ zu bekommen, muss man nur 21 Jahre alt sein, den Führerschein haben, aber keine Vorstrafen und nicht mehr als vier Punkte in Flensburg. Und die körperliche Eignung ist vom Arzt festzustellen. Das ist es dann aber.
Die beiden Münchner Taxizentralen führen von sich aus Fortbildungen zur Qualitätssicherung durch. Das sind so alles in allem runde 30 Stunden. Zur Qualifikation gehört die Beschäftigung mit den wichtigen Fragen: „Was erwarten meine Fahrgäste? Was kann ich von ihnen erwarten?“ Ich habe da eine Idee. Das nächste Mal klemme ich mich hinter das Steuer des Taxis, bitte den Fahrer auf den Rücksitz und fahre mich zackig nach Hause. Danach gebe ich mir ein angemessenes Trinkgeld. Das kann der Fahrer nun wirklich erwarten. Es sei denn, ich treffe wieder mal auf einen, der im Blick auf unser Fahrziel sagt: „Mach ma. Samma eh glei do.“ Zu so viel Souveränität habe ich nicht vor, mich zu äußern. Ich will sie ganz einfach gerne mit Ihnen teilen.