König Ludwig II. und sein Arzt Dr. Gudden (rechts). © Gebhardt
Das zweite Kreuz im Starnberger See ist Dr. Gudden gewidmet. Es war am Freitag plötzlich da. © Andreas Ammer
Berg – Es gibt ein neues Rätsel um Bayern rätselhaften Märchenkönig. Neben dem Gedenkkreuz für König Ludwig II. im Starnberger See ist plötzlich ein zweites aufgetaucht. Es erinnert an den Psychiater Bernhard von Gudden. Der Arzt des Königs starb am 13. Juni 1886, die Umstände sind ungeklärt.
Und genauso unklar ist, woher plötzlich das Kreuz kommt. Es gibt keine Hinweise. Die Unbekannten haben es vermutlich am Vorabend des 200. Geburtstags von Guddens, dem gestrigen Freitag, in den Seegrund gerammt. Andreas Ammer, Autor und Berger Gemeinderat, freut sich jedenfalls. „Ich finde es eine supernette Aktion.“ Im Blog seiner Wählervereinigung QUH schreibt er: „Erst jetzt wird die Tragödie, die sich hier im See abgespielt haben muss, sichtbar und erfahrbar.“ Ammer hatte schon vor 13 Jahren in einem Beitrag kritisiert, dass an den „fortschrittlichen Psychiater“ Gudden nur ein schmuckloser Familiengrabstein am Münchner Ostfriedhof erinnere. Ammer gehört zu den Anhängern der These, dass der nervenkranke König seinen Arzt umgebracht haben soll, als der ihn am Selbstmord hindern wollte.
Ammer beteuert, er habe das Kreuz nicht aufgestellt. Im QUH-Blog hatte es allerdings einen Aprilscherz gegeben, der ein zweites Kreuz im Starnberger See für Dr. Gudden verkündet hatte. Dazu hatte Ammer eine Fotomontage mit zwei Kreuzen konstruiert. Zwei Monate später sagt er: „Vielleicht hat sich jemand inspirieren lassen.“
Wer auch immer es war, die Unbekannten hätten gut recherchiert, sagt Ammer. „Die Lage des neuen Kreuzes neben dem alten Königskreuz entspricht ziemlich exakt den zeitgenössischen Skizzen, die vom Tatort gemacht wurden.“
Bergs Bürgermeister Rupert Steigenberger ist nicht ganz so begeistert. „So eine Aktion muss mit allen Beteiligten abgesprochen werden. Es handelt sich um eine Gedenkstätte“, sagt er. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung prüft nun das weitere Vorgehen. TOBIAS GMACH