Lernen in der gefluteten Schule

von Redaktion

In Allershausen trägt der Rektor Gummistiefel – Notstromaggregate retten Unterricht

Viele packen mit an: Aufräumen nach der Flut im Schulhaus Allerhausen. © Nico Bauer

Allershausen – Vor den Treppenaufgängen stehen Bauzäune, und der Schulleiter watet in Gummistiefeln durch die braune Brühe. So ist momentan der Alltag in der Grund- und Mittelschule Allershausen (Kreis Freising), die vom Hochwasser vor zwei Wochen schwer gezeichnet ist. Und das im Wortsinn: Die Schule war komplett überschwemmt, „das Wasser stand zum Teil 2,50 Meter hoch, also fast bis zur Decke“, berichtet Rektor Thomas Nistler.

Trotzdem ist nach einer Woche Distanzunterricht für die 430 Schülerinnen und Schüler wieder der Präsenzbetrieb angelaufen. „Die Schüler kommen diese Woche bis 11.15 Uhr, ab nächster soll es wieder bis 13 Uhr gehen. Ob die Mittagsbetreuung und der offene Ganztag dann auch wieder starten kann, wird sich zeigen“, sagt Nistler. Das hänge von der Stromversorgung ab. Strom und Technik sind die Hauptprobleme. Der Serverraum im Keller stand unter Wasser, Computerfachräume, Schulbücherei und Lagerräume sind ruiniert. Auch ein Problem: Alle im Computer gespeicherten Schuldaten sind „auf Deutsch gesagt komplett abgesoffen“. Inzwischen steht das Wasser nur noch einige Zentimeter hoch in den Räumen.

Nur mit Notstromaggregaten kann die Stromversorgung aufrechterhalten werden. „Wir hoffen in den nächsten Tagen über Baustrom zumindest die Verwaltung wieder mit Strom versorgen zu können.“ Der Schulleiter ist froh, dass es neben den digitalen White Boards auch noch traditionelle Kreidetafeln gibt, auf denen die Lehrer schreiben können.

Der Fokus liegt aktuell auf dem „Quali“. Die Abschlussklasse wurde bereits vergangene Woche regulär in der Schule unterrichtet, am Dienstag standen die ersten Prüfungen an. Schreinermeister Christian Brand aus Kranzberg, der selbst einen Sohn in der Schule hat, baute mit seinem Team kurzerhand am Sonntag mit Gerüsten eine Notbeleuchtung in der Turnhalle auf. Die Feuerwehr lieh dafür ihr Notstromaggregat. „So konnten wir sicherstellen, dass die Lichtverhältnisse bei den Prüfungen auch an Tagen mit wenig Sonnenlicht stimmen“, erklärt Schulleiter Nistler.

Weil so viele anpacken, sei man vielleicht nächste Woche so weit, „dass wir im Keller die Bautrockner aufstellen können“. Wichtig ist für ihn auch die menschliche Komponente: Einige Kinder hätten das Hochwasser hautnah erlebt, seien mit ihren Familien von der Feuerwehr evakuiert worden.

Psychologen vom Kriseninterventionsteam sind nun an der Schule unterwegs. Eins zeige sich mal wieder, sagt Schülervater Brand: In der Not „helfen alle zusammen“. MAGDALENA HÖCHERL

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