Bei der Passion 2022 noch umjubelt: Christian Stückl. Wird er auch 2030 Spielleiter? © ANDREAS MAYR
Oberammergau – Der Gemeinderat von Oberammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) hat entschieden, dass der Posten des Spielleiters für die Passion 2030 öffentlich ausgeschrieben wird. Kandidaten können sich bis Ende des Jahres melden. Einzige Bedingung: Sie müssen ein Mitwirkungsrecht besitzen, also aus dem Ort stammen.
Ein Antrag der Parteilosen Wählergemeinschaft (PWG) wurde angenommen – und zwar mit nur drei Gegenstimmen. Denn der Antrag bedeutet zugleich, dass sich die Gemeinde nach Alternativen zu dem langjährigen Spielleiter Christian Stückl umschaut. Stückl, der auch Intendant des Münchner Volkstheaters ist, leitete die Passion seit dem Jahr 1990, insgesamt vier Mal also schon.
Bürgermeister Anton Rödl (CSU) betonte in der Sitzung, es gehe darum, „niemanden zu vergessen“. In der Vergangenheit sei der Vorwurf laut geworden, die Position sei „im Hinterzimmer ausgekartelt“ worden. Dem müsse vorgebeugt werden. Die PWG sprach von der Notwendigkeit, einen Generationenwechsel einzuleiten. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie es langfristig weitergehen soll“, erklärte Ludwig Utschneider.
Gemeinderat Anton Preisinger von der Liste „Mit Augenmaß“ verstand die Alters-Debatte nicht. „Stellen wir Christian Stückl jetzt aufs Abstellgleis?“, fragte er. In fünf Jahren, wenn die heiße Phase der Vorbereitungen für das Gelübdespiel 2030 beginnt, sei Stückl 67. „Das ist doch ein Alter, in dem man konstruktiv arbeiten kann.“ Preisinger bezweifelte, dass sich ein Bewerber findet, der Stückl das Wasser reichen kann. „Er hat sich auch theologisch so ein profundes Wissen aufgebaut, so einen gibt es sonst nicht.“ Für Stückl als Spielleiter würden auch seine zahlreichen Auszeichnungen für seinen Einsatz für den jüdisch-christlichen Austausch sprechen. „Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, dass man diesen Dialog fortführt.“
Der Gemeinderat entschied, auf Basis der eingegangenen Bewerbungen eine Vorauswahl zu treffen. Die verbliebenen Kandidaten sollen bis zum März 2025 ihre Konzepte in einer Bürgerversammlung vorstellen. Bis Ende Mai 2025 soll der Gemeinderat dann eine Entscheidung treffen. Christian Stückl wollte auf Anfrage den Beschluss nicht kommentieren.
KATHARINA BRUMBAUER