Faszinierende Schönheiten am Gewitterhimmel über der Landeshauptstadt München mit den Türmen der Frauenkirche, dem Rathaus und dem Alten Peter sowie dem Turm der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt (von rechts). © Peter Kneffel/dpa
München – Sommerzeit ist Gewitterzeit – und Blitze haben Hochsaison. Die leuchtenden Phänomene am Himmel faszinieren die Menschen seit jeher. In der germanischen Mythologie war Thor der Gott des Donners. Bei seinen Fahrten durch die Wolken, so glaubten die Menschen damals, wirft er einen steinernen Hammer, mit dem er den Donner erzeugt. Dabei schleudern seine Augen Blitze. Heute nähert man sich den Blitzen naturwissenschaftlich. Den besten Überblick über das Blitzgeschehen in Deutschland dürften allerdings die Österreicher haben: Das Unternehmen Aldis hat vorigen Herbst den Blids-Informationsdienst von Siemens gekauft, der jeden Blitz über Deutschland erfasst – auf 50 Meter genau. Das macht Aldis weiterhin, sagt der dortige Chef Wolfgang Schulz. Er erklärt, was es mit dem Himmelsphänomen auf sich hat.
■ So entsteht ein Blitz
Sommergewitter entstehen, wenn an schwülen Tagen warme, feuchte Luftmassen aufsteigen und dabei abkühlen. Es bilden sich Wassertropfen und Eiskristalle. In der Gewitterwolke reichern sich im oberen Teil positiv geladene Eiskristalle an. An der Wolkenunterseite gibt es mehr negativ geladene Wassertropfen. „Wenn diese Ladungsteilung stark genug ist“, erklärt Blitz-Experte Wolfgang Schulz, „gibt es einen Blitz.“ Der Blitz entlädt sich innerhalb der Wolke oder zwischen Wolke und Boden. Besonders groß ist das Blitzrisiko bei einer Verbindung zwischen Wolke und einem hohen Gebäude oder Berg.
■ Die Kraft des Blitzes
Ein Blitz kann gewaltigen Schaden anrichten. Erst Ende Mai erlebte Bayern eine Gewitternacht mit Folgen: In Augsburg beispielsweise fiel in Teilen der Stadt der Strom aus, Menschen blieben in Aufzügen stecken, zwei Umspannwerke fielen eine Stunde aus. Die Blitze lösten sogar etliche Brandmelder aus und setzten eine Hecke in Brand. Doch wie viel Energie steckt in einem Blitz? „Das ist schwer zu sagen“, sagt Blitzexperte Schulz. „Viel Energie wird für den Leitblitzkanal verwendet.“ Der Leitblitz ist anders als die spätere Entladung nicht sichtbar. Zunächst ist die Spannung zwischen Wolke und Erde bis zu 100 Millionen Volt stark. Was am Boden ankommt, sei gar nicht mehr so viel, sagt Schulz – das hänge natürlich vom Widerstand ab. Eine Glühbirne würde „kurz aber heftig glühen“.
■ Die Gefahr des Blitzes
Für Menschen kann ein Blitzschlag tödlich ausgehen. Die Spannung am Körper steigt auf mehrere 100 000 Volt an. Es kommt zu Verbrennungen sowie Nerven- und Muskellähmungen. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, in denen Menschen das überleben. Schwerwiegend können Folgen aber auch dann sein, wenn man vom Blitz nicht direkt getroffen wird. Im Mai 2018 wurde ein 22-jähriger Wanderer an der Brecherspitze bei Schliersee von einem Unwetter überrascht. Ein Blitz schlug in eine Fichte ein, der Münchner, der sich in der Nähe befand, starb. Und immer wieder kommt es vor, dass Kühe, die unter Bäumen Unterschlupf suchen, sterben. Bei einem Fall in der Oberpfalz spaltete ein Blitz einen Baum. Die feuchte Wiese leitete den Blitz in einem Umkreis von fünf bis zehn Metern weiter und tötete acht Tiere.
■ Wo es oft blitzt
Bayern ist ein Blitzland. Das zeigt zum Beispiel die Statistik von Aldis. Am Montag wurden in ganz Deutschland 1042 Blitze gezählt – davon gingen 465 allein im Freistaat runter. Am blitzreichsten Tag der vergangenen Jahre blitzte es in Bayern 9902 Mal. Die meisten Blitze in Bayern seit 2004 gingen im Jahr 2007 nieder, damals waren es 157 076. Blitz-Experte Schulz weiß, warum es in Bayern besonders oft blitzt: „Weil es dort viel Gebirge gibt, an denen sich Blitze entladen“, sagt er. Besonders viele Gewitter gibt es in Europa zwischen Slowenien und Italien. An den dortigen Bergen entladen sich die feuchten Luftmassen, die von der Adria Richtung Norden ziehen. CARINA ZIMNIOK