Müller-Einbrecher droht lange Haft

von Redaktion

Lisa und Thomas Müller: Einbrecher nutzten ihre Abwesenheit während eines Champions-League-Spiels aus. © SVEN SIMON

Matthias Sammer hatten die Einbrecher auch im Visier. © dpa

Der Weiler Wettlkam gehört zur Gemeinde Otterfing im Kreis Miesbach. Hier haben die Müllers ihr Gestüt. © Plettenberg

Der Angeklagte Nove N. (links). Dahinter die Verteidiger Nanni Herrmann und Andreas Remiger. © Sigi Jantz

Otterfing – Nove N., ein Serbe italienischer Herkunft, wurde langsamen Schrittes in den Sitzungssaal am Landgericht München II geführt. Der 25-Jährige machte einen geschlauchten Eindruck, stand sichtlich unter Medikamenten. In der U-Haft in Stadelheim hatte der schmächtige Mann einiges mitgemacht. Massive Bedrohungen, Schläge und den Suizid eines Häftlings. Offenbar hatte er mit dem Einbruch bei Thomas Müller bei den anderen Insassen für Aufsehen gesorgt.

Am 13. September 2022, dem Geburtstag des Nationalspielers, war er mit zwei Komplizen nach Otterfing (Kreis Miesbach) gefahren. Laut Ermittlungen gehörte das Trio zu einer Bande von Einbrechern, die sich möglicherweise auf prominente Fußballer spezialisiert hatte. Nur einen Tag später wurde der Angeklagte angeblich am Gartentor vom ehemaligen Nationalspieler Matthias Sammer (56) in Grünwald (Kreis München) gesichtet. Doch durch das Quietschen des Tores, kurz vor Mitternacht, wurde Sammers Ehefrau hellhörig und schaute aus dem Haus. Der Angeklagte und sein Komplize entfernten sich leise.

„Der Sachverhalt der Anklage wird in Punkt eins eingeräumt“, legte Verteidiger Andreas Remiger für den Angeklagten ein Geständnis ab. Dafür hatte ihm der Vorsitzende Richter Martin Hofmann eine Freiheitsstrafe zwischen drei Jahren und drei Monaten sowie drei Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt. Um diesen Deal war hat gekämpft worden. Denn die Staatsanwältin hätte lieber eine Haftstrafe von fünf Jahren gesehen. Sie willigte aber dennoch in die Abmachung ein. Seine beiden Komplizen wurden nie gefasst.

Und Thomas Müller? Er und seine Frau waren vor dem Prozessauftakt vom Richter abgeladen worden. „Wir wollen ja nicht schuld sein, wenn der morgen keine Tore schießt“, sagte Martin Hofmann. Er hatte schon vor der EM mit Thomas Müller telefoniert, diesen um eine kurze Stellungnahme gebeten, die aber gestern noch nicht verlesen wurde. In dem Telefonat hatte ihm Müller erklärt, dass der Wert der gestohlenen Luxus-Uhren häufig variieren würde. Gestern, im Prozess, erklärte Richter Hofmann, dass die Versicherungen des FC-Bayern-Spielers den Schaden ersetzt hätten. Er liegt bei etwa einer halben Million Euro. Die Uhren sind nie wieder aufgetaucht.

Das Einbrecher-Trio hatte in besagter September-Nacht auch noch zwei Paar Ohrringe von Ehefrau Lisa erbeutet sowie 20 000 Euro Bargeld. Das befand sich in einem Uhrkästchen, das im Schlafzimmer lag.. So steht es zumindest in der Anklage. Aus dem Ankleidezimmer der Eheleute wuchteten die Einbrecher schließlich einen 200 Kilo schweren Tresor auf den Balkon und stießen ihn in den Garten. Im Tresor lag Schmuck im Wert von 100 000 Euro. Doch die Diebe kamen nicht mehr an diese Beute, weil justament die erste Streife am Anwesen von Gut Wettlkam eintraf. Ein stiller Alarm war zuvor bei einer Sicherheitsfirma eingegangen. Die Einbrecher flüchteten Richtung Waldrand. Dabei verloren sie eine der Uhren. Die konnte den Müllers sofort zurückgegeben werden.

Nur eine Nacht später tauchte der Angeklagte mit einem Komplizen bei Matthias Sammer auf. Offenbar hatten sie sich auch bei ihm hochwertiges Diebesgut versprochen. Doch Frau Sammer bemerkte das Quietschen des Gartentörchens, das dringend hätte geölt werden müssen. Sie öffnete ein Fenster, schaute heraus und trieb damit die Täter in die dunkle Nacht. Der ungewollte Besuch am Sammer-Anwesen wurde im Prozess noch gar nicht behandelt. Möglicherweise wird der Anklagepunkt auch eingestellt. Er zeigt jedoch die Professionalität des Angeklagten, der kein unbeschriebenes Blatt ist. Der Prozess dauert an.

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