München/Bonn – Bayern wächst – und zwar stärker als zunächst angenommen. Einer neuen Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR) zufolge steigt die Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2045 um fast eine Million im Vergleich zum Jahr 2021. Der am Mittwoch veröffentlichten Prognose zufolge werden dann 14,145 Millionen Menschen im Freistaat leben. 2021 waren es dem Institut zufolge 13,177 Millionen. Laut Institut wird sich die Bevölkerungszahl in ganz Deutschland 2045 auf 85,5 Millionen Menschen erhöhen.
■ Wachstum durch Zuwanderung
Als Grund nannte das Institut die erwartete Zuwanderung aus dem Ausland. „Ohne Zuwanderung aus dem Ausland würde die Bevölkerungszahl Deutschlands im Jahr 2045 bereits deutlich niedriger liegen, weil die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten bei Weitem übersteigen wird“, erklärte Peter Jakubowski, Leiter der Abteilung Raum- und Stadtentwicklung im BBSR.
Allerdings gebe es große regionale Unterschiede. Während wirtschaftsstarke Großstädte, ihr Umland und viele ländliche Regionen insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg weiter wachsen würden, gehe der Rückgang an Bevölkerung in strukturschwachen Gegenden abseits der Metropolen weiter, so das Institut. Die Prognose zeige „zum Teil völlig konträre Herausforderungen“ für die Regionen.
■ Spitzenreiter Ebersberg
Das deutschlandweit stärkste Wachstum – 15,2 Prozent von 2021 bis zum Jahr 2045 – prognostiziert das BBSR für den Landkreis Ebersberg. Aber auch in den Kreisen Dachau (13,7 Prozent) oder beispielsweise Bad Tölz-Wolfratshausen (9,4 Prozent) und in Fürstenfeldbruck liegt das Wachstum mit 9,3 noch über dem Landesdurchschnitt (7,2 Prozent). In München rechnen die Experten mit 13,5 Prozent mehr Einwohnern. Am deutlichsten schrumpfen wird die Bevölkerung in Bayern mit einem Minus von 12,7 Prozent in Wundsiedel im Fichtelgebirge.
Mit Blick auf Deutschland sind die größten Verlierer die Landkreise Erzgebirgskreis (Sachsen), Greiz (Thüringen) und Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt). Sie büßen laut Berechnung bis 2045 mehr als ein Fünftel ihrer Bevölkerung ein. Aber auch Regionen in Westdeutschland verlieren Einwohner. Das betreffe Teile Nordhessens, die angrenzenden Gebiete im Osten Nordrhein-Westfalens sowie Teile des Saarlands.
Bayern bleibt das gemessen an der Bevölkerung zweitgrößte Bundesland hinter Nordrhein-Westfalen. Für NRW sagen die Forscher allerdings bis 2045 ein deutlich geringeres Wachstum auf 18,105 Millionen Menschen voraus – 2021 lebten dort 17,924 Millionen Menschen.
Als Vergleichsjahr auf regionaler Ebene dient dabei 2021 – weil aus diesem alle notwendigen Daten für die Berechnung vorlagen, so das BBSR. Zuwanderung, die es seitdem gegeben hat, etwa ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, sind bei diesem Vergleich also nicht berücksichtigt.
■ Der Freistaat altert
Der Zuwachs in Bayern wird allerdings den Zahlen des Bundesinstituts zufolge zu mehr als einem Fünftel (21,9 Prozent) von Rentnern getragen und zu 11,4 Prozent von jungen Leuten unter 20 Jahren. Grund: In den nächsten Jahren werden deutlich geburtenstärkere Jahrgänge in Rente gehen, was auch den Arbeitsmarkt vor Herausforderungen stellt.
SKA/DPA