DAS PORTRÄT

Der Experte für Pfeil und Bogen

von Redaktion

Bogenbauer Heinz Dollinger.

Mit seinem schweren Eibenbogen in Händen fühlt sich Heinz Dollinger ein bisschen wie ein Schütze aus alter Zeit. Jeder Pfeilschuss ein Treffer. In seiner urigen Werkstatt oben am Berg widmet er sich seit Jahren dem Bogenbau aus Holz und lehrt den Umgang mit Pfeil und Bogen.

Das mit der Technik ist so eine Sache für Heinz Dollinger. Der 46-Jährige besitzt zwar ein Handy, aber er hat es nur selten dabei. Und unterwegs ist er viel. Draußen im Garten oder in seiner Werkstatt. Sein Reich liegt auf 950 Metern unterhalb der Rabensteinerwand, einem Ausläufer des Untersbergs im Berchtesgadener Land. Viel Grün, viele Bäume, Natur pur und der beste Blick ins Tal. „Für meine Kreativität ist das der beste Platz überhaupt“, sagt Dollinger.

Vor der Scheune im Garten liegt eine Bogenscheibe. Hunderte Male wurde sie getroffen. Die Wind und Wetter ausgesetzte Holzkonstruktion, auf der die Scheibe befestigt ist, ist kürzlich zusammengebrochen. Mit ein paar Spax flickt er sie wieder zusammen. Dollinger weiß sich zu helfen, wenn es um Handwerkliches geht, das war schon immer so. Bereits mit fünf Jahren entdeckte er die Lust am Basteln mit Stein und Stock. „Ich war eines dieser Kinder, die aus Haselnussstecken kleine Bögen und Pfeile bauten.” Auch seine Faszination an der Natur wuchs. Die Freude am Bogenbau zieht sich wie ein roter Faden durch Dollingers Leben. „Ich habe mittlerweile einen Knochenbau wie ein Bogenschütze von damals.”

Richtig anpassen wollte er sich nie. Das ist wohl auch der Grund, warum der Mann mit den blau-braunen Augen, dem langen Haar und den kräftigen Fingern sein ganzes Leben lang selbstständig arbeitete. Als Industriekletterer verdiente er sein Geld. Am Festspielhaus in Salzburg stürzte er ab. Das kostete ihn fast sein Leben. „Seitdem kann ich keine Höhenarbeiten mehr machen.” Als Bogen-Heinz hat er sich hier oben einen Namen gemacht.

Dollinger hat ein überschaubares Holzlager aus langen, schmalen Holzrohlingen, aus denen er die Bögen herausschält. Dutzende mit Federn versehene Pfeile samt Eisenspitzen stehen griffbereit. Der Bogen-Heinz hat sie selbst gefertigt mit alten Materialien, Bienenwachs, Baumharz und Kupfer. An der Wand hängen riesige Holzbögen aus Eibe. Vor ihm liegen Komposit-, Lang- und Flachbogen. Er braucht sie für eine Messe am Bodensee. In der Bogenbau-Szene ist Dollinger bekannt für seine ursprünglichen Bögen. Eibenbögen zeichnen sich durch ihre Leichtigkeit aus, durch die besondere Elastizität des Holzes. „In einem Holzbogen liegt echte Magie”, sagt Dollinger, während er mit zwei Fingern über die Vorderseite seines Lieblingsbogens streicht. Wie viele Bögen er in seinem Leben fertiggestellt hat? Kann er nicht sagen. „Jeder Bogen ist ein neuer Anfang.” Der 46-Jährige gibt auch Freiluft-Seminare und lehrt Überlebenstechniken im Wald. Und natürlich Bogenschießen. „Nach 15 Minuten Erklärung ist man in der Lage, mit einem Bogen erfolgreich einen Pfeil zu schießen”, garantiert er. Denn in jedem steckt irgendwo ein Bogenschütze. KILIAN PFEIFFER

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