Autofahrer rammt Ersthelfer am Unfallort

von Redaktion

Über 50 Meter mitgeschleift – Vorfall belegt wachsende Aggression auf Bayerns Straßen

Freilassing – Ein Ersthelfer ist von einem Kleintransporter gerammt und über 50 Meter mitgeschleift worden. Ein Siebenjähriger war bereits am Freitag zwischen zwei parkenden Fahrzeugen mit seinem Roller auf die Straße gefahren, der Fahrer eines Pkws konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und erfasste den Bub. Ersthelfer kümmerten sich um die Versorgung des Kindes, riefen den Rettungsdienst und sperrten den Unfallort ab. Ein 54-jähriger Freilassinger stellte sich auf die Straße, um den Verkehr umzuleiten. Damit war ein 34-jähriger Salzburger nicht einverstanden. Mit seinem Kleintransporter fuhr er mit Absicht auf den Ersthelfer zu und erfasste ihn am Brustkorb.

Der 54-Jährige handelte instinktiv: „Er konnte sich über die Stoßstange abrollen und sich am Fahrzeug festklammern“, so ein Polizeisprecher. „Nur deshalb wurde er von dem Kleintransporter nicht überrollt.“ Anstatt anzuhalten, fuhr der Fahrer einfach weiter. Er zog den Mann mit sich. Erst nach etwa 50 Metern konnte der Lenker gestoppt werden – durch einen zufällig anwesenden Polizisten der Salzburger Polizei.

Aggressives Verhalten im Straßenverkehr nimmt tatsächlich zu: Bereits im vorigen November belegte eine Umfrage des Instituts O.Trend im Auftrag der Unfallforschung der Versicherer, dass sich immer mehr Autofahrer angriffslustig ans Steuer setzen. „Das Auto ist kein angemessener Ort, um Aggressionen loszuwerden“, sagte Siegfried Brockmann, damaliger Leiter der Unfallforschung der Versicherer, bei der Pressekonferenz. Aus Ärger oder zum eigenen Vorteil die Verletzung oder gar den Tod anderer in Kauf zu nehmen sei vollkommen inakzeptabel.

Manche Autofahrer scheint das nicht anzufechten. Im Februar nötigte ein Audifahrer (63) andere auf der A8 am Irschenberg und zeigte ihnen den Mittelfinger. Offenbar kam er für seinen Geschmack im dichten Verkehr zu langsam voran, nutzte sogar die Rettungsgasse. Die Autobahnpolizei stoppte ihn – er wurde so aggressiv, dass ihm die Beamten Handschellen anlegen mussten. Im Mai wurde ein Feuerwehrmann von einem Autofahrer auf der A96 bei Landsberg verletzt. Er hatte nach einem Lkw-Unfall die Durchfahrt gesperrt, der Fahrer fing einen Streit an und rammte den Feuerwehrmann. Dabei wurde der Feuerwehrmann verletzt, der Rowdy flüchtete, ohne sich um den Verletzten zu kümmern.

Auch der Fahrer des Kleintransporters in Freilassing zeigte sich uneinsichtig: Die Polizei nahm den 34-Jährigen mit auf die Wache, ermittelt nun unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und zog auch den Führerschein des Mannes ein. Der Ersthelfer wurde „wie durch ein Wunder“ nur leicht verletzt, der Bub kam mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus. T. SCHNEIDER-RADING

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