Die 20. Bairische Sprachwurzel geht an einen Spitzensportler: Der geehrte Markus Wasmeier nimmt die Glasskulptur am Samstag in Regensburg von Sepp Obermeier entgegen. © Armin Weigel/dpa
Regensburg/Schliersee – „Ein paar Manager“ hätten schon probiert, ihn glattzubügeln, den mittelbairischen Dialekt, mit dem Skilegende Markus Wasmeier immer vor die Mikros tritt. „Die haben gemeint, dass sie mich dann besser vermarkten können“, sagt der 60-Jährige am Samstag im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg, wo er für seine Verdienste um den Dialekt die Bairische Sprachwurzel überreicht bekommt. Doch der Schlierseer hat sich nicht verbiegen lassen. Tracht statt Anzug und Dialekt statt Hochdeutsch. „Ich mach‘s a so, wia i mechd.“ Alles andere wäre ein „unendliches Theaterspuin“.
Seit 2005 wird die Sprachwurzel an Persönlichkeiten verliehen, die in der Öffentlichkeit an ihrem Dialekt festhalten. Heuer zum 20. Mal. Zu den Preisträgern gehören Gerhard Polt, Luise Kinseher oder der 2022 verstorbene Papst Benedikt XVI. Olympiasieger Markus Wasmeier ist der erste Spitzensportler, der die 14 Kilo schwere Glasskulptur erhält.
Sprachwurzel-Erfinder Sepp Obermeier sagt, Wasmeier habe auch nach seiner aktiven Zeit als Sportler „nicht an Leuchtkraft verloren, weil er selbstbewusst und authentisch muttersprachlich geerdet ist“. Der Vorsitzende des Bunds Bairische Sprache sagt auch: „Bei einer unzureichenden Erdung, wenn also der Leitungsquerschnitt zu gering ist, reicht es nach den Regeln der Physik nur zu einem Verglühen.“ Wasmeier sei anders als andere bayerische Spitzensportler stets ein „sprachkultureller Botschafter des Mittelbairischen“ geblieben, ein Multiplikator „mit Vorbildcharakter“.
Dass Wasmeier immer selbstbewusst Mittelbairisch spricht, führte, daran erinnert Obermeier, 1985 zu einem „sprachzentralistischen Affront“ im ZDF. Während eines Interviews mit dem damals frischgebackenen Riesenslalom-Weltmeister blendete der Sender die ganze Zeit ein Laufband „Originalton Süd“ ein, analog zum „Originalton Ost“-Laufband, mit dem Beiträge aus dem DDR-Fernsehen versehen wurden. Es gab heftige öffentliche Reaktionen bis hinauf zur bayerischen Staatskanzlei und am Ende eine Entschuldigung des Senders. Obermeier: „Immer wenn es um die öffentliche Diskreditierung von Dialekt geht, dann sollte man sich an den Mr. Originalton-Süd erinnern.“
Für Laudator Professor Dr. Robert Obermaier, Chefarzt am Klinikum Straubing, ist Wasmeier das „Wintersportidol meiner Generation“ und ein Heimatpfleger, der sich mit seinem Schlierseer Bauernhofmuseum für das materielle und mit seinem Dialekt für das immaterielle Kulturerbe einsetze. Dabei sei er selbst das wohl „wertvollste Ausstellungsstück“. „Dialekt muß gredt wern, sonst geht‘s dahi“, so Obermaier. Eine Generation ohne Bairisch reiche, um ein 1500-jähriges Kulturgut für immer verschwinden zu lassen. Wasmeier, der „mit Vorbildcharakter unsern Dialekt auf hochsprachlicher Augenhöhe“ artikuliere, bringe eine „automatische Aufwertung, und des is de Grundlage fürs dialektale Überlebn“. Einen Seitenhieb erlaubt sich der Laudator. Das Bairische werde sich weiterentwickeln und verändern. „Aber wenn jetzt die bayerische Staatsregierung mit offiziellen Verboten versucht, in die Sprache, und auch wenn‘s nur die Behördensprache ist, einzugreifen, dann ham de Großkopfadn des ungeschrieben bayrische Gesetz ‚lem und lem lassn‘ leider ned richtig verstandn.“ Dafür gibt es am Samstag fast so viel Applaus wie für den 20. Träger der Bairischen Sprachwurzel. STEFAN AIGNER