Indische Busfahrer für den MVV

von Redaktion

Die MVV-Busse im Kreis Ebersberg (hier Steinhöring) steuern zum Teil Inder. © J. Dziemballa

Eine lange Prozedur: Ralf Ettenhuber (Mi.) mit den indischen Busfahrern, die über einen Headhunter angeworben und in Kroatien ausgebildet wurden. © privat

Glonn – Josef Ettenhuber spricht vom „Licht am Ende des Tunnels“. Und dass er den Busverkehr, den er im Auftrag des MVV vor allem in den Landkreisen Ebersberg und München fährt, ohne Ausfälle bewerkstelligt. Leicht ist das nicht – denn wie in so vielen Branchen kämpft auch sein Busunternehmen mit Arbeitskräftemangel. 150 Busse setzt der Familienbetrieb mit Sitz in Glonn (Kreis Ebersberg) im MVV ein, beschäftigt 220 Fahrer. Seit einigen Wochen sind auch zwölf Inder und zwei Pakistani am Steuer.

Leicht war das nicht, erzählt Ettenhuber. Auf die Idee mit den Indern kamen die Ettenhubers bei einem Familienurlaub in Kanada, wo die Beschäftigung indischer Arbeitskräfte Tradition hat. Zurück in Oberbayern suchte Ettenhubers Sohn Ralf zunächst einen Headhunter, der in Indien aktiv ist und tatsächlich fündig wurde. Allerdings gab es ein Problem: Der indische Busführerschein wird in Deutschland nicht anerkannt, „leider“, wie der Busunternehmer sagt. Die Führerscheinerlaubnis-Verordnung verhindert dies. Da der Erwerb eines deutschen Busführerscheins sehr teuer ist und zudem Deutsch-Kenntnisse vorausgesetzt werden, schlug der Betrieb den Umweg über Kroatien ein. Dort ist der Führererschein-Erwerb billiger, außerdem reichen englische Sprachkenntnisse aus. Und, ganz wichtig: Der kroatische Busführerschein gilt EU-weit, also auch in Deutschland.

Diese bürokratische Hürde war somit genommen, eine andere tat sich indes auf: Um zur Busführerschein-Prüfung in Kroatien zugelassen zu werden, muss man ein halbes Jahr den festen Wohnsitz in Kroatien haben – um Führerschein-Tourismus vorzubeugen. Also suchte Ralf Ettenhuber, der nach dem BWL-Studium in den Familienbetrieb eingestiegen ist, ein Hostel, in dem die Inder wohnen konnten. „Das kostete ein Schweinegeld“, sagt Josef Ettenhuber. Aber tatsächlich nahmen die Inder das alles auf sich, nur um nun in Oberbayern Bus fahren zu dürfen. Seit gut vier Wochen sind sie vornehmlich im Landkreis Ebersberg im Einsatz. Das ungewöhnliche Arbeitskräfte-Recruiting interessierte sogar den Fernsehsender Arte, der für sein Reportageformat „Arte Re:“ über Ettenhubers-Busfahrerfahndung berichten wird.

Die Motivation seiner neuen Mitarbeiter liegt auf der Hand: das Geld. Die Inder sparen, wo es geht, unterstützen mit ihrem Einkommen die Familien in der Heimat. Bei einer Suche nach Unterkünften half Ettenhuber ebenfalls, vermittelte Wohnraum. Einer der Inder gehört zur Religionsgruppe der Sikhs und wollte unbedingt seinen Turban während der Arbeit tragen – auch das wurde, warum auch nicht, ermöglicht. „Entscheidend ist lediglich, dass sich durch das Tragen des Turbans keine Einschränkungen bei der Verkehrssicherheit ergeben“, erklärt der MVV. Josef Ettenhuber sagt: „Das mit der Arbeitskleidung wird mittlerweile eh sehr locker gehandhabt, Krawattenpflicht gibt‘s ja auch schon lange nicht mehr.“

Die Busse sind ein Rückgrat des MVV. Im Gebiet der acht MMV-Kernlandkreise rund um München gibt es geschätzt 2500 bis 2900 Busfahrer. Sie steuern im Schichtbetrieb 970 Busse. Auch wenn die Stellen derzeit ganz gut besetzt werden und nach Auskunft von MVV-Chef Bernd Rosenbusch aktuell nur 20 bis 30 Fahrer fehlen – so Initiativen wie die von Ettenhuber können den angespannten Arbeitsmarkt etwas entlasten.

Ettenhuber hofft, dass ihm die neuen Mitarbeiter lange erhalten bleiben. Er sagt, es reiche längst nicht mehr aus, nur im europäischen Ausland nach Arbeitskräften zu suchen. „Die Rumänen, die Kroaten, sie haben alle auch Fachkräftemangel – und die Bezahlung wird dort zunehmend besser.“ Andere Verkehrsunternehmen machen ähnliche Erfahrungen: Die Münchner MVG, die zuletzt noch in Albanien und Spanien Fahrer abwerben konnte, setzt nun auf Studenten, die sie zu Trambahnfahrern ausbildet. Bei DB Regio haben kürzlich 13 Ägypter eine Quereinsteiger-Ausbildung zum Lokführer begonnen (wir berichteten).

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