Nachtflüge: Bayern bleibt hart

von Redaktion

Bisher keine Sondererlaubnis zur EM – Lahm rief vergeblich an

München – Wie lange darf ein Fußballer nach dem Spiel die Haare föhnen – und wann verpasst er dann den Flieger zurück? In Bayern hat diese kuriose Frage den Verkehrsminister beschäftigt. Zur Europameisterschaft sprach die Turnierleitung nach Informationen unserer Zeitung die Bitte aus, das Nachtflugverbot in München brechen zu dürfen, damit die Teams nach dem Spiel länger Zeit in der Kabine haben. Minister Christian Bernreiter (CSU) lehnte indes ab – die Nachtruhe der Anwohner hat Vorrang.

Konkret ging es um die Teams der Schotten und der Serben, die nach ihren Gruppenspielen gerne spätnachts noch mit Sondermaschinen in München gelandet wären. Eigentlich hätte man das zeitlich aber auch im erlaubten Rahmen schaffen können, heißt es in der Staatsregierung, auch nach dem schottischen Abendspiel in Köln und dem serbischen in Gelsenkirchen. Turnierdirektor Philipp Lahm persönlich rief schließlich bei Bernreiter an und bat um die Ausnahmegenehmigungen. Abgeblitzt: „Bis jetzt haben wir keine Ausnahme erteilt“, sagt der Minister auf Nachfrage. „Wir sind da sehr restriktiv.“ In Sondersituationen, etwa bei Verlängerung und Elfmeterschießen in der Finalphase, ist er gesprächsbereiter. Das könnte in München nur noch beim Halbfinale am Dienstagabend passieren, das um 21 Uhr angepfiffen wird.

Zuständig für die Flugzeiten sind die Luftfahrtbehörden der Bundesländer, also Bernreiters Haus. In München gilt eine Ruhezeit zwischen 0 und 5 Uhr, Ausnahmen (Notfälle, Nachtluftpost) sind vergleichsweise selten. In den Randzeiten von 22 Uhr und von 5 bis 6 Uhr sollen nur leisere Maschinen unterwegs sein, hier sind die Ausnahmen umfassend. Nürnberg hat diese Regelung nicht.

Die Flüge für die angeblich „nachhaltigste EM aller Zeiten“ sind ins Gerede gekommen. Der „Spiegel“ hatte jüngst minutiös recherchiert, dass für einen Flug der deutschen Mannschaft von Nürnberg nach Dortmund und zurück vier zusätzliche Leerflüge einer Lufthansa-Maschine nötig waren, inklusive Nacht-Sondererlaubnis des (grünen) NRW-Verkehrsministers. Außenministerin Annalena Baerbock steht in der Kritik, weil sie für 184 Kilometer spätabends eine Maschine der Flugbereitschaft genutzt hatte. Bernreiter kritisiert auch dies scharf. „Der normale Mensch ist auf Straße und Schiene angewiesen, außer man ist Bundesaußenministerin“, spottete er diese Woche im Landtag, „dann kann man natürlich auch das Nachtflugverbot umgehen.“ Allerdings gibt es auch scharfe Kritik am Zustand der Bahn rund um die EM. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Artikel 8 von 11