Marco Bläser aus Bergkirchen. © Privat
Marco Bläser, genannt Tschuppi, ist fußballnarrisch. Seit Jahren reist der 43-Jährige durch Europa, um besondere Teams, Stadien oder Spiele zu erleben. Tausende Menschen verfolgen seine Video-Blogs in den Sozialen Netzwerken. Und jetzt, da die EM in Deutschland zu Gast ist, ist Bläser kaum mehr daheim in Bergkirchen im Kreis Dachau – sondern im Dauereinsatz.
Marco Bläsers Leben ist der Fußball. Früher war er selbst Fußballer beim Regionalligisten SV Heimstetten, aktuell ist er noch bei den Ü32-Herren des FC Bayern München aktiv. Aber auch auf den Stadiontribünen fühlt er sich wohl. Heuer hat er unter anderem schon das Champions-League-Halbfinale FC Bayern gegen Real Madrid im Bernabeu-Stadion sowie anschließend im Finale Real Madrid gegen Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion mitgefeiert. Ein teures Hobby, er reist dafür ja durch ganz Europa. „Das ist mein Urlaub“, sagt der Bergkirchner, der in München einen Kfz-Zulassungsdienst betreibt.
Und jetzt, da die EM in Deutschland stattfindet, muss Bläsers Ehefrau noch etwas toleranter mit der großen Leidenschaft ihres Mannes umgehen. Das sind schließlich Pflichttermine. „Bis auf das Vorrundenspiel gegen die Schweiz habe ich alle Deutschland-Spiele gesehen“, berichtet Bläser. Heute gegen Spanien ist er selbstredend dabei – und er hat auch schon Tickets für das in München stattfindende Halbfinale sowie das Finale in Berlin. Auch die EM geht ins Geld. „Der offizielle Ticketpreis der UEFA für das Eröffnungsspiel war 450 Euro.“ Frech, findet der Mega-Fan. „Wir reden hier nur über 90 Minuten Fußball. Das steht doch in keinem Verhältnis mehr“. Allerdings brächten die Stadionbesuche auch „Erinnerungen, die mir niemand mehr nehmen kann“.
Hat die Gattin Sehnsucht, kann sie zum Handy greifen. Immerhin teilt Marco Bläser seine Erlebnisse im Stadion mit tausenden Menschen im Internet. Unter dem Stichwort „Tschuppi“ findet man seine Videos. Bis zu sechseinhalb Stunden sitzt er an einem, es gibt nicht nur Einblicke ins jeweilige Fußballspiel, sondern auch zum Reiseziel. Auf Instagram entführt er seine Follower als „tschuppi31“ in die spannende Welt des Fußballs. In jedem Fall ist Recherche alles, um zu wissen, wo die deutschen Jungs, wann aufschlagen. „Unser FC-Bayern-Busfahrer ist auch Busfahrer der Nationalmannschaft“, erzählt Bläser. „Dadurch hab ich zum Beispiel auch das Hotel der Deutschen filmen können.“
Ans Aufhören nach der Heim-EM denkt Marco Bläser daher nicht. Im Gegenteil: Er hat noch viel vor. Seine drei „Traum-Spiele“, wie er sie nennt, sind: „Boca Juniors gegen Riverplate in Argentinien. Celtic Glasgow gegen die Rangers. Und Roter Stern gegen Partizan Belgrad.“ Sein vierter Traum, der Besuch des Spiels 1. FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf, geht schon in diesem Herbst dank des Abstiegs der Kölner in die Zweite Bundesliga in Erfüllung. STEFANIE ZIPFER