Eng und akut einsturzgefährdet: Der Gang, der in den Bunker der Nationalsozialisten im Obersalzberg führt. © Kilian Pfeiffer (3)
Totenkopf auf Holz: Eindringliche Warnung an alle Abenteurer und Unvernünftigen.
Hat den Bunker dichtgemacht: Förster Vinzent Bader.
Berchtesgaden – Man muss in die Knie gehen und den Kopf einziehen, wenn man hineinwill. Auf einem Schuttkegel geht es mehrere Meter in ein dunkles Loch. „Eigentlich ist das die Decke des ehemaligen Bunkers”, sagt Förster Vinzent Bader. Er ist zuständig im Bereich Berchtesgaden West und somit auch für den Obersalzberg. Der Eingang zum Bunker lag früher rund sechs Meter weiter unten. 1945 wurde er gesprengt und der Bunker somit verschlossen. Doch dann stürzte die Bunkerdecke ein und es entstand in den 1980er-Jahren eben dieses Schlupfloch, über das man nun in den Bunker gelangen kann.
Lange blieb der neue Eingang geheim, es gab nur wenige, die von ihm wussten. Doch dann kamen vor einigen Monaten Wanderer auf die Idee, Videos des neuen Schlupflochs ins Internet zu stellen.. Plötzlich war das Interesse an diesem Bunker der Nationalsozialisten groß, und das wiederum brachte die Behörden in Zugzwang. Sie mussten den Bunker wieder verschließen.
„Wir haben dran gedacht, den Eingang zu sprengen”, sagt Vinzent Bader. Allerdings wären die Folgen für den Wald in dem Steilgelände unabsehbar. Bäume und Gelände könnten nachstürzen. Der Obersalzberg gilt als von Bunkern durchzogen. Es existieren geologische Verwerfungen im Berg. „Das Gestein hier ist brüchig”, sagt Bader. Ein Felsbauingenieur aus Großbritannien war kürzlich im Munitionsstollen. Er hat eindringlich davor gewarnt, den Eingang offen zu lassen. Jeder, der hier hinabsteige, so der Experte, begebe sich in Lebensgefahr. „Die Decke stürzt nach und nach ein“, erklärt Förster Vinzent Bader.
Als Grundbesitzer mussten die Bayerischen Staatsforsten handeln. „Wir wissen, dass viele da reinwollen und schon drin waren”, so Bader. Es kursieren Videos, in denen Bunkerfreunde von weit her anreisen, nur um die Gänge im Fels zu inspizieren. Der Förster hatte zwar einen große Menge Holz am Eingang platziert, um den Einstieg zu erschweren. Das aber haben die Bunker-Gänger wieder entfernt.
Jetzt aber soll der Eingang endgültig verschlossen werden. Vinzent Bader war kurz zuvor noch im Stollen, um auf sich aufmerksam zu machen. „Es soll ja keiner im Bunker sein, der später nicht mehr herauskommt“, sagt er. Dann beginnen die Arbeiten. Zwei Forstmitarbeiter verankern eine Holzkonstruktion aus mehreren Stämmen über dem Eingang. Mit Farbe sprühen sie eine Warnung auf die Abdeckung: einen Totenkopf und das Wort „Lebensgefahr“. Doch das reicht noch nicht aus. „Diese Abdeckung wäre sofort wieder zerstört“, meint Bader.
Um den Eingang dauerhaft unzugänglich zu machen, greift Bader zu schwereren Maßnahmen. 15 Tonnen massive Felsbrocken wurden bereits an Ort und Stelle transportiert. Schon das allein war in dem Steilgelände eine Herausforderung. Die Felsen vor den Eingang einfach abzuladen, geht nicht. Die Steine würden talabwärts rollen. Deshalb verankern die Mitarbeiter vor dem Bunker zuerst ein gewaltiges Stahlnetz. Weiter oben am Hang steht ein Bagger, der dann damit beginnt, die Felsen hangabwärts in das Netz rollen zu lassen. Stein für Stein krachen die Felsen in das Netz.
Zweieinhalb Stunden geht das so, dann ist es geschafft und Vinzent Bader ist erleichtert. „Jetzt wird es nicht mehr möglich sein, in den Stollen zu kommen“, sagt er. Der Förster wird den verschlossenen Eingang am Obersalzberg dennoch regelmäßig kontrollieren. Nur zur Sicherheit.