Bei den Bahnhöfen (hier Abbrucharbeiten in Laim) ist der Reparaturbedarf besonders hoch. © Marcus Schlaf
München – Beim Zustand von Schienen und Bahnhöfen liegt Bayern im Deutschland-Vergleich nur im Mittelfeld. Das geht aus dem neuen Zustandsbericht „Netz und Personenbahnhöfe“ hervor, den die DB-Tochter InfraGo veröffentlicht hat. Den Bericht gibt es erst seit drei Jahren, erstmals ist er jetzt nach Bundesländern aufgeschlüsselt.
Wie in der Schule vergibt InfraGo Noten für den Netzzustand, also zum Beispiel Gleise, Signale und Stellwerke. Deutschlandweit lag er im Jahr 2023 bei 3,03. Das ist eine leichte Verschlechterung. 2021 lag die Netzzustandsnote noch bei 2,93, im Jahr 2022 bei 3,01. Bayern liegt mit 3,02 im Durchschnitt. am besten sind die Gleise in Thüringen (2,64).
Die Bahn investiere mehr als früher, hält der Bericht fest. „Insgesamt haben die umgesetzten Mengen aber noch nicht ausgereicht, um die Verschlechterung des Anlagenzustands zu stoppen.“ Selbstkritisch heißt es weiter: Im Vergleich zu anderen europäischen Eisenbahn-Unternehmen schneide die DB bei der Infrastruktur „weiterhin deutlich schlechter“ ab.
Der selbst gesetzte Anspruch sei es, zur Schweizer SBB, der österreichischen ÖBB und der norwegischen BaneNOR aufzuschließen.
1999 Kilometer Gleis befanden sich in der Notenstufe 5 („dringender Erneuerungsbedarf“). Das Bündnis Allianz pro Schiene weist darauf hin, dass Bahnübergänge und Stellwerke in dem Bericht besonders schlecht abschneiden. Fast 3500 Stellwerke erhielten die Note 5 oder schlechter. „Das ist eindeutig ein Alarmsignal“, so der Geschäftsführer der Allianz., Dirk Flege.
Auch die Bahnhöfe sind vielerorts gelinde gesagt verbesserungswürdig. Im deutschlandweiten Durchschnitt wurde eine Note von 3,09 erzielt. Bayern liegt mit 3,14 noch weiter zurück. Am besten wurden die Bahnhöfe in Schleswig-Holstein bewertet (2,78). Vor allem der schlechte Zustand von Rolltreppen, Aufzügen sowie der Reisenden-Informationsanzeiger ziehe die Noten nach unten, heißt es. „Rund jede dritte Anlage der Informations- und Kommunikationstechnik befindet sich in einem mangelhaften Zustand.“
Allianz pro Schiene fordert, aus dem Bericht auch Schlüsse zu ziehen: Der Bund solle erklären, welche Noten er für die nächsten Jahre anstrebe, und er müsse das dann auch umsetzen.
DIRK WALTER