…bei Rettungsschwimmer Michael Förster.
Im vergangenen Jahr sind in Bayern 62 Menschen ertrunken, hauptsächlich in Seen oder Flüssen. Deutschlandweit waren es 378. Die wenigsten von ihnen waren Nichtschwimmer. Der Großteil seien Senioren gewesen, vermutlich mit Vorerkrankungen im Herz-Kreislauf-System, sagt der Rettungsschwimmer und Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft Bayern, Michael Förster, zum heutigen UN-Welttag der Prävention gegen das Ertrinken. Er erklärt, wo Gefahren lauern.
Wer ist besonders gefährdet zu ertrinken?
Die größte Gruppe der Ertrunkenen – nämlich rund 40 Prozent – waren Senioren, vermutlich mit Vorerkrankungen. Wenn man bei Hitze zu schnell ins kalte Wasser eines Sees geht, ist das für den Körper anstrengend. Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, sollte besonders vorsichtig sein. Bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall im Wasser kann man nicht mehr viel machen. Die Leute werden bewusstlos und gehen sang- und klanglos unter.
Aber auch an Badeseen gibt es doch Rettungsschwimmer.
Bei Senioren gibt es aber eine Besonderheit: Sie gehen oft gern allein schwimmen, abseits des großen Trubels, wo nicht viel los ist. Sie sind Genussschwimmer. Wenn gesundheitliche Probleme auftauchen, bekommt es erst mal keiner mit. Wir raten daher Senioren, dass sie erst ihren Arzt fragen sollten, bevor sie allein im See schwimmen gehen.
Oder dass sie eher ins Schwimmbad gehen?
Ein Hotspot von Badeunfällen sind die Seen. Die sind sehr reizvoll, man hat dort einen wunderschönen Blick auf die Alpen. Da ist Schwimmen schon ein Genuss. Aber klar: Im Schwimmbad ist das Wasser wärmer und damit weniger anstrengend für den Körper, es gibt vor allem eine Badeaufsicht und man sieht immer den Boden im klaren Wasser. Wenn jemand ertrinkt, dann in erster Linie in öffentlichen Gewässern wie Seen oder Flüssen.
Wie lässt sich das Risiko in Badeseen verringern?
Das tun, was man schon als Kind gelernt hat. Nicht überhitzt ins Wasser springen, sondern sich abduschen oder sich langsam an die Wassertemperatur gewöhnen. Gerade Baggerseen können für Nichtschwimmer sehr gefährlich werden, denn: Das Ufer fällt zunächst langsam ab – und dann plötzlich ganz steil mehrere Meter tief. Das sieht man im Wasser aber kaum. Und natürlich, ganz klar: kein Alkohol. Wer Alkohol getrunken hat, überschätzt gern die eigenen Fähigkeiten und unterschätzt die Gefahren des Wassers.
Was können andere Badegäste tun?
Aufmerksam sein, andere auf Gefahren hinweisen und im Notfall helfen. Dazu sollte man wissen: Ertrinkende schreien in der Regel nicht. Sie versuchen sich noch mühsam über Wasser zu halten. Zeit und Kraft für Schreien oder Winken, um auf sich aufmerksam zu machen, haben sie nicht.
Während der Corona-Pandemie gab es kaum Schwimmkurse. Haben die Kinder das inzwischen aufgeholt?
Wahrscheinlich gibt es immer noch eine coronabedingte Lücke. Dazu kommt, dass es immer weniger Schwimmunterricht an Schulen gibt, viele Schwimmbäder schließen oder verkürzen die Öffnungszeiten. Wir bemerken auch soziale und kulturelle Faktoren: Manche Eltern fühlen sich überfordert, sich um einen Schwimmkurs zu kümmern. Und in manchen Kulturen ist Schwimmen einfach nicht üblich.