Unsere erste Test-Runde

von Redaktion

Jetzt geht‘s los: Mit Mikrobus oder Elektro-Rikscha können Münchner jetzt gratis durch die Altstadt gondeln. Unser Redakteur hat das neue Angebot ausprobiert und mit Mitreisenden gesprochen. Hier ist sein Erfahrungsbericht.

Heidi Schinner ist von den Rikschas begeistert.

Reporter Julian Limmer ist zusammen mit Altstadt-Anwohnerin Jutta Aßbichler mit dem neuen Mikrobus kostenlos in der Innenstadt unterwegs. © Yannick Thedens (4)

Testbetrieb: Reporter Julian Limmer lässt sich von Fahrer Liam G. durch die Altstadt chauffieren.

Ein bisschen fühle mich wie im Urlaub, wie der Tourist in der eigenen Stadt: Ich sitze auf einer Rikscha, lasse mich durch die Altstadt karren – vorbei am Viktualienmarkt, an der Maximilianstraße, am Isartor, zwischen Radlern und Fußgängern hindurch. Die Sicht ist unverbaut, der Wind bläst mir ins Gesicht, Passanten winken mir zu. Dabei nutze ich nur ein ganz normales öffentliches Verkehrsmittel, und das sogar gratis. Eine Elektro-Rikscha.

Die Stadt testet seit gestern und durch bis zum Herbst den Einsatz von Rikschas sowie eine Mikrobus-Ringlinie innerhalb des Altstadtrings. Die Fahrten sind kostenlos. Insgesamt sind vier Rikschas im Einsatz (immer von 7 bis 24 Uhr), die jeweils am Stachus und am Odeonsplatz (Richtung Hofgarten) stehen. Von dort aus fahren sie Gäste je nach Wunsch durch die Altstadt. Die vier Busse mit jeweils sechs Sitzplätzen fahren dagegen auf fixen Routen feste Haltestellen an. Aber wie gut funktioniert das Konzept?

Erst mal zum Odeonsplatz: Dort steht Fahrer Liam G. (25) gerade neben seiner Rikscha und wartet. Ich steige ein. Der Fahrer will erst mal wissen, welcher Altersgruppe ich zugehöre und wo ich herkomme. Für die Statistik. Liam G. tritt in die Pedale, es geht zum Isartor. Ein bisschen seltsam fühlt es sich schon an: Während der Fahrer durch kleine Seitengassen strampelt, sitze ich wie auf einer Liege in der Rikscha und beobachte das Stadttreiben. Immerhin wird er von einem Elektromotor unterstützt. „Nur manchmal springt der ein wenig zu spät wieder an“, sagt er. In dem Moment passiert’s: Er muss an der Maximilianstraße kurz absteigen, ein paar Meter anschieben, bis er wieder weiterstrampeln kann. „Doch ansonsten fährt es sich ziemlich entspannt“, sagt er. Dem kann ich mich nur anschließen. Nach fünf Minuten und 30 Sekunden sind wir am Isartor. Ich will noch ein Stück weiter zum Viktualienmarkt. Die Fahrt dauert drei Minuten.

Dort steht zufällig gerade ein anderer Rikschafahrer. Man muss nämlich nicht unbedingt zu den Haltestellen Stachus oder Odeonsplatz laufen, um zuzusteigen. Ist eine Rikscha gerade ohne Fahrgast unterwegs, kann jeder Gast sie einfach per Handzeichen anhalten und einsteigen. Dafür braucht man jedoch etwas Glück, denn nicht immer kommt gerade eine der nur vier Rikschas zufällig vorbei. Geplant ist, dass man die Rikschas demnächst auch per Handy zu einem Abholort bestellen kann – noch ist das jedoch nicht möglich.

Unsere Fahrt mit dem zweiten Fahrer geht zum Sendlinger Tor. Fahrtdauer: Knapp acht Minuten. Dort angekommen, kommt uns Heidi Schinner (68) entgegen. Sie will das Angebot ebenfalls nutzen: „Für Rentner ist das mega, um schwere Einkäufe zu transportieren.“ Oft seien ihr die Wege in der Stadt zu weit, sodass sie in der Vergangenheit schon ab und an mit einer regulären Touristen-Rikscha mitgefahren sei. „Die haben dann natürlich was verlangt“, sagt sie.

Am Sendlinger Tor geht’s zur blauen Mikro-Bushaltestelle. Nach ein paar Minuten kommt der Bus. Ich steige zusammen mit Innenstadt-Anwohnerin Jutta Aßbichler (68) zu. Es geht direkt auf der Sendlinger Straße weiter. Es fühlt sich ziemlich ungewohnt an, mit einem Gefährt mitten durch einen Teil der Fußgängerzone zu fahren. Doch irgendwie auch entspannt, findet auch Jutta Aßbichler: „Das ist grandios“, sagt sie.

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