„Alle zusammen geil was bewirken“

von Redaktion

Jugendliche würden an der Schule so einiges ändern

„Du kriegst einen Stempel auf die Stirn“: Schüler auf der „Alten Utting“ diskutierten mit BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann (2. v. rechts). © Achim Frank Schmidt

München – Es gibt Lehrerverbände, das Kultusministerium und Elternbeiräte, die die Schulpolitik bestimmen. Und es gibt 1,7 Millionen Schüler in Bayern, die meist wenig zu sagen haben. Bevor alle in die Ferien abdampfen, lud der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) zehn Schüler unterschiedlicher Schularten auf die „Alte Utting“ nach München. Die „Alte Utting“ ist ein zur Ausflugs-Location umgebautes ehemaliges Ammersee-Schiff. Passend dazu ermunterte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann die Jugendlichen dazu, „Segel zu setzen, wie es euch passt“.

Was die Jugendlichen dann auch taten, übrigens sehr kontrovers – denn es gibt eben nicht „die“ Schüler, die alle einer Meinung sind.

Während Amelie von der Grünen Jugend München zum Beispiel als Kultusministerin „extrem viel“ ändern würde, vor allem ein längeres gemeinsames Lernen, riet Georg von der Schülerunion in München zur Vorsicht. Schließlich seien die Viertklässler in Bayern im Ländervergleich „an der Spitze“, das spreche gegen zu viel Änderung. Dalton, stellvertretender Landesschülersprecher und Mittelschüler in München, hielt dagegen: Er würde „als Erstes das dreigliedrige Schulsystem abschaffen“. Denn: „Du kriegst einen Stempel an die Stirn.“ Auch Alanay, angehende Schreinerin an einer Berufsschule in Oberbayern und zudem Landesschülersprecherin, hat Wünsche. Sie ist gehörlos, wurde anfangs in eine Förderschule verbannt, die gar nicht für Gehörlose geeignet war. Ein Gehörlosen-Dolmetscher übersetzte: „Ich will, dass Schule für alle offen ist, dass Schulen barrierefrei sind.“

Wie die Spaltung der Schüler je nach Schulart überwunden werden könnte, trieb auch andere Diskussionsteilnehmer um. Leopold, stellvertretender Schülersprecher für die Gymnasien aus Gunzenhausen in Mittelfranken, schlug schulart-übergreifende Projekttage vor. „Wir könnten alle zusammen geil was bewirken.“ Das fanden auch andere eine tolle Idee, aber auch eine „Mammutaufgabe“, wie Christopher, Gymnasiast und Delegierter der Stadtschülervertretung München, anmerkte. In der Praxis sei es doch so, dass man auch kaum Freunde aus anderen Schularten habe. Die seien manchmal wie „aus einer fremden Welt“. Schule sei eben ein „in sich geschlossener Kosmos“.

Was den Schülern außerdem wichtig ist: Demokratie-Erziehung und Politische Bildung, auch in der Mittelschule, wie Julius von Fridays for Future München betonte. Da gebe es das nämlich nicht. Und mehr Demokratie müsse auch zu mehr Mut zum Widerspruch gegen die Lehrer führen, fand Amelie. Aber es komme da auch auf den Lehrer an, wandte Georg von der Schülerunion an. „Es kann nicht sein, dass man von Scharlatanen unterrichtet wird.“ Gelächter in der Runde.
DW

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