Bis zu 115 Kilo kann Christian Wohlfahrt stemmen. Der 40-Jährige aus Neuburg ist Weltmeister unter den starken Männern. © Saskia Krutsche
Keiner ist so stark wie Christian Wohlfahrt aus Neuburg an der Donau. Auf Anhieb hat er heuer bei der Strongmen-Weltmeisterschaft in Fulda den Titel in seiner Alters- und Gewichtsklasse geholt. Eine ziemlich starke Leistung. „Der Wettbewerb und die Vorbereitung waren das Härteste, was ich je gemacht habe“, sagt der 40-Jährige. Ein Gespräch über Kraft, Kalorien und Höchstleistungen.
Welche Leistung mussten Sie bringen, um der weltstärkste Mann zu werden?
Ich habe bei den Weltmeisterschaften nach fünf Disziplinen in der Altersklasse der Über-40-Jährigen und der Unter-105-Kilo-Gewichtsklasse die meisten Punkte erzielt. Die erste Challenge war, vier verschiedene Gegenstände, einen Baumstamm, eine Autoachse, einen Metallblock und eine überdimensional große Kurzhantel über Kopf stemmen. Der Stamm wiegt 105 Kilo, die Autoachse 115 Kilo, der Metallblock 100 Kilo und die Kreuzhantel 70 Kilo.
Kann man diese Gewichte mit dem olympischen Gewichtheben vergleichen?
Ich würde vermutlich nicht mal die Hälfte schaffen von dem, was die richtig guten Athleten stemmen und reißen. Der Reiz bei uns ist ja nicht nur das Gewicht, sondern dass es völlig unterschiedliche und ungewöhnliche Gegenstände sind, die wir wuchten, stemmen und auch über Hindernisse bringen müssen.
Was sind die anderen Disziplinen?
Wir müssen ein Autokreuzhebegestell mit 330 Kilo eine Minute lang so oft wie möglich hochheben, einen Metallrahmen mit 290 Kilo 20 Meter tragen, einen 133 Kilo schweren Sandsack 20 Meter tragen und über eine 1,40 Meter hohe Stange werfen. Dabei muss man Säcke mit verschiedenen Gewichten über eine 4,50 Meter hohe Stange werfen. Und zum Schluss muss man noch die Atlaskugel, eine mit Beton gefüllte Steinkugel, die 125 Kilo wiegt, vom Boden aufheben und am Ende mit einem Arm schultern. Das habe ich zweimal geschafft.
Wie wird ein solcher Weltmeistertitel belohnt?
Das Preisgeld hat 500 Euro betragen. Wir sind eine Randsportart, da kann man nicht reich werden. Neben der Prämie gab es aber auch Sachpreise und Rabattgutscheine für Trainingsgeräte und Nahrungsergänzungsmittel. In den USA, wo die Strongmen ganze Hallen füllen, gibt es auch mal 10 000 Euro Prämie für einen Sieg.
Wie sind Sie zu den Strongmen gekommen?
Per Zufall. Kraftsport war schon lange meins, ich hab früher auch Fußball gespielt, Gewichtheben und später Crossfit gemacht. Dann habe ich über mein früheres Fitness-Studio Strongmen trainieren gesehen. Und ein Athlet hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm zu trainieren. Das hab ich ausprobiert, seit 2019 bin ich dabei.
Inzwischen mit eigenem Verein und Trainingsort, oder?
Wir brauchen natürlich andere Trainingsbedingungen. Und weil ich von einem Bauernhof stamme, auf dem die Kartoffelscheune frei war, haben wir dort angefangen, Trainingsgeräte aufzustellen. Daraus ist dann irgendwann mehr geworden. Wir sind inzwischen fast wie ein echter Verein, die Schanzer Bull’n. Wir haben eines der größten Strongmen-Trainingsareale Bayerns mit Halle und Freibereich. Um die acht Leute sind im Training immer da. Ingesamt sind wir um die 20. Wir haben aber nicht nur männliche Mitglieder im Verein, sondern auch Strongwomen. Unter anderem meine Frau Anna.
Wie haben Sie sich auf die WM vorbereitet?
Die Vorbereitung war das Härteste, was ich je gemacht habe. Viermal in der Woche Training mit je drei Stunden waren es schon. Gut, dass ich das Trainingsgelände vor Ort habe. Meine Ernährung habe ich auch voll auf den Wettkampf hin geplant und eingestellt. Das heißt: sieben bis acht Mahlzeiten am Tag mit rund 300 Gramm Eiweiß. Und ich muss mein Gewicht immer knapp unter 105 Kilo halten.
Das sind eine Menge Kalorien. Wie haben Sie die zusammenbekommen?
Ohne Shakes geht das kaum. Viel Magerquark, Thunfisch und dann bis zu acht Eier am Tag. Gut, dass eine Freundin von mir eine Hühnerfarm hat.
Wie geht es jetzt bei Ihnen im Sport weiter?
Ich habe inzwischen eine Trainerausbildung, viel von meinem Trainer Emanuel Pescari gelernt. In der kommenden Saison trete ich bei den Ligawettkämpfen an. Da muss ich leider in der zweiten Liga starten und mich nach oben arbeiten, der WM-Titel bringt da nichts. Ich möchte beim Baumstemmen 150 Kilo schaffen, da habe ich bislang nur 135 Kilo stehen. Und auch beim Steinkugelheben ist noch einiges drin, da möchte ich auch den deutschen Rekord von 200 Kilo angreifen. Es gibt noch genügend Herausforderungen.