Note 3+ für Bayerns Schulen

von Redaktion

Die Menschen in Bayern geben den Schulen im Freistaat im Bundesvergleich noch die beste Note. Bei Reformvorschlägen sind sie hingegen skeptisch – vor allem bei der flächendeckenden Ganztagsschule registriert das jüngste Ifo-Bildungsbarometer Zurückhaltung.

Für Bayerns Schulen gibt es vergleichsweise gute Noten. Hier eine Abiturienten bei der Prüfung. © Stratenschulte/dpa

München – Bei den meisten Leistungstests liegt Bayern seit Jahren auf den vorderen Plätzen. Ein Stück weit spiegeln sich diese Ergebnisse auch in einer großen Befragung des Ifo-Instituts wider. Von April bis Juni befragten die Forscher 9700 Personen bundesweit online nach ihrer Meinung zu Bildungsthemen.

Erstes Ergebnis: In Bayern werden die Schulen am besten benotet. 41 Prozent gaben den Schulen eine 1 oder 2, gefolgt von Hamburg (35 Prozent) und Sachsen (33 Prozent). Im bundesweiten Schnitt waren es nur 29 Prozent. Im Durchschnitt erzielten die bayerischen Schulen die Note 2,77. Streng genommen ist das nur ein guter Dreier – „nichts anderes als mittelmäßig“, wie die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, spitz anmerkte. Aber es ist eben der beste Wert bundesweit. In allen anderen Bundesländern werden die Schulen noch schlechter bewertet. Ganz hinten rangiert Bremen – hier vergaben nur 18 Prozent eine 1 oder 2, 45 Prozent aber eine 5 oder 6 – im Schnitt ergab das eine 3,5.

Auffällig auch: 39 Prozent der Bayern glauben, ihr Bundesland sei bei der Vermittlung von guten Fähigkeiten in Rechnen, Schreiben und Lesen besser als andere Bundesländer. In Baden-Württemberg und Hamburg, den Zweit- und Drittplatzierten, sind es 28 bis 29 Prozent. Noch eine Umfragezahl: Nur elf Prozent der Bayern denken, Schule sei in anderen Bundesländern besser als im heimischen Freistaat.

Etwas skeptischer als anderswo reagiert man in Bayern auf Reformvorschläge, wenngleich die Zustimmung überwiegt: Verpflichtende Kindergärten ab vier Jahren finden in Bayern 65 Prozent gut oder sehr gut (beim Spitzenreiter Sachsen sind es 71 Prozent), kostenlose Nachhilfe für leistungsschwache Schüler finden in Bayern „nur“ 64 Prozent gut – in allen anderen Ländern gibt es dafür höhere positive Werte.

Bei den Zustimmungswerten zu einem Wechsel zur Ganztagsschule bis 15 Uhr landet Bayern auf dem vorletzten Platz der Tabelle: 47 Prozent finden sie gut, 13 Prozent ist es egal, 40 Prozent lehnen sie ab. Die größte Zustimmung kam hier aus Hamburg (64 Prozent).

Verpflichtende Sprachtests mit Deutschunterricht im Vorschulalter (so wie sie ab diesem Schuljahr im Freistaat eingeführt werden) halten 80 Prozent der Bayern für sinnvoll. Digitalisierung und KI an Schulen sehen in Bayern aber nur 51 Prozent positiv, 38 Prozent negativ.

Die Skepsis passt zu den nur vorsichtigen Reformen, die in Bayern geplant sind, etwa die Entschlackung der Lehrpläne. Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) kündigte gestern erneut an, dass dies nicht die „hohe Qualität des bayerischen Schulsystems“ gefährden dürfe. Sie wolle „Druck rausnehmen“, aber Schüler auch dazu „befähigen, Druck auszuhalten“.

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