Deutschlandticket gerettet – aber nur für 2025

von Redaktion

München – Das Deutschlandticket gibt es auch im nächsten Jahr – die Zukunft ab 2026 ist aber offen. Die Unionsfraktion signalisierte am Freitag Zustimmung zu einer Gesetzesänderung, mit der die Finanzierung im kommenden Jahr abgesichert werden soll. Der für Verkehr zuständige CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange sagte, die Union werde einer notwendigen Gesetzesänderung zustimmen, nachdem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am 16. Dezember die Vertrauensfrage gestellt habe. Mit der Gesetzesänderung wäre es möglich, für das Ticket eingeplante sogenannte Restmittel des Bundes auf das Jahr 2025 zu übertragen. Damit wäre die Finanzierung bis Ende 2025 sichergestellt.

CDU-Chef Friedrich Merz sagte: „Das Deutschlandticket 2025 wird es geben. Selbstverständlich scheitert das nicht an uns.“ Bundeskanzler Scholz schrieb auf der Plattform X, es sei gut „für unser Land, dass wir da, wo wir einig sind, auch einig handeln“. Merz sagte aber zugleich, er erwarte schwierige Verhandlungen zur Finanzierung des Deutschlandtickets über 2025 hinaus. Die Zukunft des Tickets nach 2025 sei „eine sehr schwierige Frage, die wir auch im Lichte der Haushaltsplanungen im nächsten Jahr beantworten müssen“. Das Ticket sei wesentlich teurer geworden als ursprünglich geplant. Aber, so fügte Merz an: „Wir wollen, dass so etwas wie ein Deutschlandticket erhalten bleibt.“

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) forderte eine dauerhafte Lösung zur Finanzierung des Tickets ab 2026. Im Gesetz müsse das Enddatum 31. Dezember 2025 gestrichen werden. Laut VDV gibt es derzeit 13,1 Millionen Nutzer pro Monat, davon 1,8 Millionen Jobtickets und 1,05 Millionen Semestertickets. Der Neukundenzuwachs stagniere aber. 75 Prozent haben vor, das Abo dauerhaft beizubehalten. 40 Prozent der Nutzer sind zwischen 14 und 29 Jahre alt, 19,5 Prozent aller Nutzer stammen aus dem ländlichen Raum. Auch zum umstrittenen Verlagerungseffekt gibt es eine neue Zahl: 13,9 Prozent der Fahrten seien verlagert aus anderen Verkehrsmitteln. Acht Prozent der Fahrten mit dem Ticket wären sonst mit dem Auto gemacht worden.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) begrüßte die Einigung, fügte aber an: „Die Ampel-Regierung hat es das ganze Jahr über nicht auf die Reihe bekommen.“ Langfristig müsse „die neue Bundesregierung über das Ticket entscheiden“. Anders als die CDU will er, dass die Länder gar nichts mehr zahlen. „Aus bayerischer Sicht muss der Bund die Kosten künftig ganz übernehmen, schließlich war das Deutschlandticket – wie der Name schon sagt – ein Wunsch des Bundes.“ CSU-Landtags-Fraktionschef Klaus Holetschek bekräftigte gegenüber dem Portal „Politico“: „Wir bleiben bei unserer Forderung, dass das Deutschlandticket Ende 2025 ausläuft und mehr in Infrastruktur investiert wird.“

Der Bahnexperte Christian Böttger, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sieht das ähnlich. „Ich halte das Deutschlandticket für die falsche Idee“, sagte er unserer Zeitung. Der Aufwand dafür sei „hoch, der Nutzen gering, die schädlichen Nebenwirkungen gravierend“. Das Ticket habe entgegen vieler Erwartungen zu „keinem nennenswerten“ Verlagerungseffekt von der Straße auf die Schiene geführt, sondern sei eine „Konsumsubvention“. Die – wenn man etwa die Vergünstigungen für Semestertickets bedenke – in Wahrheit eher vier bis fünf Milliarden Euro, die das Ticket jährlich koste, wären zur Sanierung der Infrastruktur besser verwendet.
DIRK WALTER

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