Bieten am Stachus Teenager Sex für Drogen an? Die Polizei verspricht: „Wir werden alle erforderlichen Schritte zum Schutz der Jugendlichen einleiten.“ © Achim Schmidt
München – Großbaustellen mit jeder Menge Abbruch, Leerstand, Obdachlose in dunklen Ecken und Drogengeschäfte am helllichten Tag: Für das, was zuletzt rund um den Hauptbahnhof beobachtet werden konnte, gibt es einen Begriff: Broken-Windows-Effect. Nach dieser Theorie (der zerbrochenen Fenster) besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verfall von Stadtgebieten und Kriminalität. Dagegen kämpft der Verein südliches Bahnhofsviertel mit viel Herzblut. Dessen Mitglieder müssen sich nun aber mit einem neuen Verdacht beschäftigen – und der ist erschreckend. Am Stachus, im Herzen der Stadt, soll es einen Teenie-Strich geben, bei dem Sex für Drogen angeboten wird. Die Münchner Polizei ermittelt.
Präsidiumssprecher Christian Drexler betont zwar, dass der Polizei keine „validen Erkenntnisse“ für Prostitution am Karlsplatz vorliegen. Gleichzeitig gab und gibt es aber sehr detaillierte Ermittlungen. Der Sprecher berichtet von Informationen, die vereinzelt im Präsidium eingegangen seien: „Es werden Sachverhalte geschildert, wonach die Erlangung von Betäubungs-/Rauschmitteln in Verbindung mit sexuellen Gefälligkeiten junger Mädchen stehen könnten – dies vornehmlich mit örtlichem Bezug zum Alten Botanischen Garten.“ Bei den Überprüfungen durch die Polizei ließen sich diese ersten Hinweise nicht bestätigen.
Anfang der Woche kam das Thema nun aber wieder auf: „Zuletzt wurden dem Polizeipräsidium Informationen zur Verfügung gestellt, wonach es im Bereich des Karlsplatzes zur illegalen Prostitution von Jugendlichen kommen soll“, erklärt Drexler. Und: „Der Sachverhalt befindet sich gerade in der Prüfung.“ Dem Vernehmen nach könnten sich die fragwürdigen Dienstleistungen in einem Restaurant-WC abspielen. Die Polizei steht in engem Kontakt mit Stadt und Jugendamt.
Vom Stachus waren solche Schilderungen bislang nicht bekannt, von der Drogenszene am Nußbaumpark sehr wohl. Im November vor einem Jahr fahndete die Polizei nach einem etwa 40-jährigen Mann. Er hatte auf einer öffentlichen Toilette eine 16-Jährige missbraucht. Das Mädchen stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und bekam Drogen versprochen.
NADJA HOFFMANN