Millionenbetrug mit falschem Diesel

von Redaktion

Riesiger Steuerschaden, filmreife Beweisvernichtung: Zoll schlägt in Franken zu

Im Visier der Fahnder: Geschäftsführer Thomas H.

Ein Zollbeamter prüft, ob im Tank Öl oder Diesel steckt.

Nichts geht mehr: Der Zoll sperrte die Tankstellen der Firma in Oberfranken ab. © Fricke/NEWS5

Hof/Schwarzenbach – Sie verkauften Schmieröl als Diesel – und verdienten damit Abermillionen. Der Zoll hat Ende vergangener Woche eine Diesel-Mafia-Bande hochgenommen. Im Zentrum der Affäre: ein Tankstellen-Besitzer aus Oberfanken.

Am vergangenen Donnerstag stürmten 300 Zöllner zeitgleich 32 Objekte in ganz Deutschland – darunter Tankstellen und Geschäftsräume einer Firma in der Gegend um Hof und Schwarzenbach an der Saale. Zollbeamte sperrten die Zapfsäulen ab, Kunden konnten nicht mehr tanken.

Dokumente in Flugzeugtoilette vernichtet

Zoll und Staatsanwaltschaft Hof ermitteln wegen Verdachts der Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen und gewerbsmäßiger Steuerhehlerei. Sie ließen sieben Personen festnehmen. Sechs sind Drahtzieher der Diesel-Mafia – die meisten wurden in Berlin festgenommen, einer nach seiner Landung am Frankfurter Flughafen. Er wollte gerade weiter nach New York. Laut Zoll wollte er vor der Landung noch schnell Dokumente loswerden – zum Teil in der Bordtoilette.

Der siebte ist nach Informationen unserer Zeitung der Geschäftsführer der oberfränkischen Tankstellen-Firma Thomas H. Laut Zoll war sein Unternehmen das Drehkreuz der Öl-Schmuggler. Über Jahre sollen Lastwagen aus Osteuropa das Schmieröl auf sein Gelände gebracht haben. Dieses Öl soll der Mann als Diesel weiterverkauft haben. Denn: Mit Öl lassen sich laut Zoll auch Dieselmotoren betreiben. Laut Zoll sitzt er aktuell in U-Haft. Andere Vertreter seiner Firma waren auf Anfrage nicht zu sprechen.

Der Vorteil für ihn und die Bande: Sie sparten sich die Energiesteuer – die früher Mineralölsteuer hieß. In Zahlen: Laut Zoll verkauften sie 37 Millionen Liter Öl, sparten sich so 18 Millionen Euro. Den Fake-Diesel soll Geschäftsführer Thomas H. über eigene Tanklastwagen und über seine Tankstellen im Umkreis Hof und im Vogtlandkreis (Sachsen) vertrieben haben.

Laut den Ermittlern handelte die Diesel-Mafia im großen Stil: Seit Anfang 2023 sollen jeden Werktag bis zu 16 Tanklaster die Firma angefahren haben – insgesamt 1230 Lkw mit durchschnittlich 30 000 Litern. Auch am Tag der Razzia war das so: Als die Zöllner anrückten, waren gerade fünf Tanklaster aus Polen auf dem Weg zum Firmengelände – sie wurden gleich gestoppt. Das ging dann weiter an Firmen aus Hamburg, Amberg, Falkensee oder Berlin.

Um den Steuerschaden gleich zu verringern, zogen die Zöllner alles ein, was von Wert war: 30 000 Euro Bargeld, dazu 12 500 Euro Falschgeld. Weiterhin 15 Tanklaster, sechs Lkw, sechs Anhänger und zehn Autos. Der Leiter des Zollkriminalamts, Tino Igelmann, sagt: „Zielgerichtet werden die Strukturen der Täter zerschlagen und deren rechtswidrig erlangtes Vermögen eingefroren.“
THOMAS GAUTIER

Artikel 5 von 11