Trachten-Imperium Gössl vor der Insolvenz

von Redaktion

Geschäftsführer Maximilian Gössl vor dem Gwandhaus. © Privat

Das Gössl-Geschäft an der Münchner Residenzstraße. © Bodmer

Diese Madln gehen in Tracht baden. Den „Dirndlflugtag“ am Wolfgangsee hatte Gössl jahrelang veranstaltet. © imago

Salzburg/München – Grüne Sonnensegel schützen die feine Tracht im Schaufenster. Darauf prangt der weiße Schriftzug „Gössl“. Die Geschäfte des Salzburger Trachtenherstellers findet man in Bayern nur in Top-Lagen: an der Münchner Residenzstraße zum Beispiel, oder Rottach-Egern, Anschrift Seestraße 1. Auch in Regensburg, Bad Reichenhall, Traunstein und Füssen werden die hochpreisigen Dirndl, Lederhosen und Janker aus Österreich verkauft. Doch offenbar liegen harte Jahre hinter dem Unternehmen. Deshalb hat Geschäftsführer Maximilian Gössl gestern zu einer Pressekonferenz nach Wien geladen. Ihr Titel: „Gössl vor dem Aus“.

Gössl führt das Unternehmen in dritter Generation. Seine Großeltern Grete und Leopold hatten es 1947 mit nur einer Bluse gegründet. Man könne fällige Millionenkredite nicht mehr zurückzahlen, erklärte er und machte dafür die Pandemie, die Politik und die Bank Austria verantwortlich. Vor Corona habe das Unternehmen schwarze Zahlen geschrieben. Mit jedem Lockdown aber hätten sich schwere Verluste angesammelt. „Die Gruppe macht heuer voraussichtlich 15 Millionen Euro Umsatz und die Budgetziffern für 2025 bis 2027 zeigen positive Deckungsbeiträge“, sagte er. Dennoch müsse man im Dezember wohl Insolvenz anmelden.

113 Mitarbeiter beschäftigt Gössl, Filialen und Franchisenehmer gibt es an 80 Standorten in Europa. Die zuletzt veröffentlichte Bilanz von 2022 weist einen Verlust von drei Millionen Euro aus. Zudem sind Verbindlichkeiten in der Höhe von 8,2 Millionen Euro verbucht. Während der Pandemie erhielt man laut dem Transparenzportal des Bundes 5,5 Millionen Euro, wie die APA berichtet. Für Überbrückungskredite sprang die Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft, die Förder- und Finanzierungsbank der Republik Österreich, mit Garantien ein. Jene Garantien greifen nur, wenn eine Firma in die Pleite rutscht. Gössl erhebt deshalb laut ORF schwere Vorwürfe: Die Bank würde sie bewusst in die Insolvenz schicken, um auf jene staatlichen Garantien zugreifen zu können. Denn sie fordere lange vor Ablauf der Frist die Millionen-Kredite ein.

„Verhandlungen mit der Bank über eine Laufzeitverlängerung oder eine Umschuldung sind gescheitert“, sagte gestern Sanierungsexperte Gerald Zmuegg, den sich Gössl zur Unterstützung geholt hat. „Anfang September stellte die Bank den Überbrückungskredit und einen weiteren Betriebsmittelkredit in der Höhe von 360 000 Euro ohne Not vorzeitig fällig. Dadurch wurde wichtige Liquidität entzogen.“ Zugleich habe sie liquide Mittel aus dem operativen Geschäft in der Höhe von 400 000 Euro gesperrt. Zmuegg forderte die Bank erneut auf, die Kreditlaufzeit zu verlängern, und richtete sich auch an den Staat: „Auch eine Verlängerung der Rückzahlungsfrist durch den Gesetzgeber würde helfen.“

Firmensitz von Gössl ist das Gwandhaus in Salzburg. Einst war Gössl selbst Besitzer, 2019 aber wurde das Gebäude für 24 Millionen Euro verkauft. Inzwischen hat es Red-Bull-Erbe Mark Mateschitz gekauft. Der Mietvertrag für Gössl endet 2029. Trotz der aktuellen Turbulenzen sollen die Geschäfte geöffnet bleiben.

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