Hallbergmoos – Eine 19-Jährige aus Freising ist am Montag in den frühen Morgenstunden in Hallbergmoos vergewaltigt worden. Als sie die S-Bahn um zwei Uhr früh verließ, verfolgte sie ein 25-jähriger Deutscher aus dem Kreis Fürstenfeldbruck. Er bedrohte sie und zerrte sie am Bahnhofs-Areal ins Gebüsch.
Am Polizeipräsidium Oberbayern Nord geht man davon aus, dass sich der Täter sein Opfer spontan ausgesucht hat. Er war nur in Hallbergmoos ausgestiegen, weil es auch die 19-Jährige tat. „Der aktuelle Ermittlungsstand legt nahe, dass die Frau über mehrere Stunden vergewaltigt wurde – von kurz vor zwei Uhr, als der Täter sein Opfer aus der S-Bahn verfolgte, bis um 5.30 Uhr, als Passenten auf die Hilfeschreie der jungen Frau aufmerksam wurden“, sagte ein Sprecher. Der Täter versuchte zu flüchten. Passanten verfolgten ihn, bis Streifenpolizisten ihn festnahmen. Die Frau kam ins Krankenhaus, er in U-Haft.
Anders als in anderen Kommunen liegt der S-Bahnhof in Hallbergmoos etwas außerhalb. Wohl deshalb dauerte es so lange, bis die Rufe Gehör fanden. Die Polizei Neufahrn und das Ordnungsamt kamen gestern zusammen, um zu besprechen, wie sich die Sicherheit vor Ort erhöhen lässt. Geplant sind eine intensivere Beleuchtung sowie stellenweise auszuholzen. Weil in Hallbergmoos die S8 zum Flughafen hält, wird dort ohnehin mehr bestreift als etwa in Neufahrn und Eching.
Dass Gewalt gegenüber Frauen zunimmt, zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik für 2023. In Deutschland wird fast täglich ein Femizid begangen. Auch Sexualstraftaten, die sich gegen Mädchen und Frauen richten, sind um 6,2 Prozent gestiegen. Für Christina Mayer, die bei der Diakonie Freising den Fachbereich gegen häusliche und sexualisierte Gewalt leitet, zeigt die Vergewaltigung in Hallbergmoos ein strukturelles Problem. „Unsere Gesellschaft braucht ein gemeinsames Verständnis von Augenhöhe und Gleichberechtigung“, sagt sie. Vor allem Männer müssten endlich lernen, Grenzen zu akzeptieren und Macht nicht zu missbrauchen. „Wir brauchen Präventionsangebote und ein System, mit dem es uns gelingt, bereits in Kindergarten und Schule gewaltvolles Denken präventiv zu behandeln.“
MAGDALENA HÖCHERL