Ist Dampfen besser als Rauchen?

von Redaktion

Mediziner bezweifeln, dass Tabakerhitzer gesünder sind als Zigaretten

E-Zigaretten & Co. sind bei jungen Rauchern beliebt – aber bei Weitem nicht harmlos. © Nick Ansell/pa

München – Der Tabakkonzern Philip Morris hat gestern vor dem Verwaltungsgericht München gegen das Verbot von Aussagen zu Tabakerhitzern geklagt. Das Unternehmen führt in Anzeigen und auf seiner Webseite aus, dass Tabakerhitzer weniger schädlich seien als Zigaretten. Dies wurde ihm vom Freistaat Bayern als verbotene Werbung untersagt. Professor Dr. Jürgen Behr, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik V des LMU-Klinikums, und Dr. Cosmina Stoleriu, Oberärztin an der Asklepios Lungenklinik Gauting, erklären, was Mediziner darüber denken.

Welche Modelle gibt es auf dem Markt?

Tabakerhitzer sind elektronische Geräte, die Tabak erhitzen, um Nikotin und Aromastoffe in Form von Dampf freizusetzen. Die Nutzer inhalieren den entstehenden Dampf. Für das Erhitzen des Tabaks verwenden die Tabakerhitzer Sticks, die es mit unterschiedlichem Geschmack gibt. Während Tabakerhitzer echten Tabak enthalten, lassen E-Zigaretten eine Flüssigkeit verdampfen, die Aromen und oftmals Nikotin beinhaltet. Gleiches gilt für Vapes, das sind Einweg-E-Zigaretten. Zu den bekanntesten Tabakerhitzer-Marken gehört IQOS von Philip Morris.

Ist Dampfen gesünder als Rauchen?

Philip Morris behauptet auf seiner Homepage, dass Tabakerhitzer und E-Zigaretten „eine bessere Alternative zu herkömmlichen Zigaretten bieten“. Der wichtige Unterschied zum normalen Glimmstängel sei, dass nur ein Erhitzen, keine Verbrennung stattfinde. „Die Verbrennung erzeugt den Großteil der schädlichen Bestandteile im Rauch, der eingeatmet wird“, heißt es. „Diese Bestandteile, und nicht das Nikotin selbst, gelten als Hauptursache für Risiken im Zusammenhang mit dem Rauchen.“ Professor Behr bezweifelt, dass Dampfen gesünder ist: „Das kann man so nicht stehen lassen.“ Prinzipiell könne Dampfen gesundheitsschädlich sein. Aus medizinischer Sicht drängen dabei Feinstäube oder feinste Tröpfchen in die Lunge ein und schädigen diese. „Da kann man nicht behaupten, dass das keine Gefahr wäre.“ Stoleriu: „Das Problem ist, dass die Effekte langfristig noch nicht erfasst sind.“

Welche medizinische Folgen drohen?

Laut Behr gibt es Studien an Tieren, die belegen, dass beim Dampfen ähnliche Effekte entstehen wie beim herkömmlichen Tabakkonsum. Stoleriu bestätigt das. Es drohten Lungenkrebs oder die COPD-Erkrankung, die Husten, Auswurf oder Atemnot bedingt. Auch Asthma verschlechtere sich. Behr warnt vor einer Schädigung der Lungenbläschen und Bronchien.

Unterstützen Verdampfer die Rauchentwöhnung?

Viele Hersteller behaupten, dass Tabakerhitzer das Aufhören erleichtern. Das lässt sich laut Behr nicht beweisen. Es sei ungut, das eine Suchtverhalten durch das andere zu ersetzen. „Ob Sie nun Whiskey oder Cognac trinken, es kommt auf dasselbe raus.“ Laut Storeliu sollte man lieber auf Entwöhnungsprogramme zurückgreifen.

Steigt der Konsum bei jungen Menschen?

Laut Fachleuten ist der Tabakkonsum bei Jungen gestiegen. Im Trend liegen Tabakerhitzer. Von den Kollegen aus der Kindermedizin weiß Behr, dass Rauchen ein Problem ist. Stoleriu berichtet davon, dass jüngere Patienten mit akutem Lungenschaden in ihre Klinik kämen. Behr warnt: „Je früher man anfängt, umso schwerer kommt man wieder davon weg.“


MARLENE KADACH

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