Wer einen geliebten Menschen verliert, der geht in seiner Trauer einen ganz eigenen, persönlichen Weg. Bücher, die verschiedene Phasen des Abschiednehmens beschreiben, erfreuen sich großer Beliebtheit. Aber Vorsicht – sie sind nur eine Hilfskonstruktion. Sie helfen denjenigen, die andere in ihrem Schmerz begleiten möchten – als eine Art Geländer, an dem man sich entlanghangeln kann. Man muss sich aber davor hüten, mit ihnen wie mit einem Rezeptbuch umzugehen.
Trauer ist ein Prozess, der immer wieder ähnlich verläuft, von Mensch zu Mensch jedoch verschieden ist. Meine Mutter, über ein Jahr ganz in Schwarz gekleidet, sie tobte, als ich, die 23-jährige Tochter drei Monate nach dem Tod des Vaters ein rotes Sakko tragen wollte. Ausgerechnet am Karfreitag. Meine Mutter teilte der Welt den unsagbaren Kummer über ihre Kleidung mit – damit jeder begriff, wie elend es ihr ging, ohne, dass sie es ständig zu erklären hatte.
Ich selber musste kurz auf- und ausbrechen aus der Verzweiflung über den verlorenen Vater und die Sorge um die zart-zerbrechliche Mutter. Rot war die richtige Farbe dafür – Leben, Leidenschaft, Zuneigung, der Erde verbunden. Es gab an uns beiden nichts zu kritisieren. Jeder trauernde Mensch hat sein eigenes Tempo, die eigene Art und Weise, um den Verlust in das Leben zu integrieren. Alle, die weinen, entwickeln eine individuelle Architektur der Bewältigung. Sie hat ihr Recht.
Wichtig ist, dass trauernde Menschen sich einen Raum schaffen, der ihnen gehört – und sie diesen Raum freihalten für ihre höchst persönlichen Gedanken und Gefühle. Zu denen alles, wirklich alles gehört, was es gibt. Niemand sollte sich da einmischen und Vorgaben machen, was jetzt dran ist und was nicht. „Kopf hoch“ und andere Durchhalteparolen sind genauso unangebracht wie die unzeitgemäße Aufforderung, endlich mal wieder gut drauf zu sein und „was Schönes zu unternehmen“.
Was dagegen wirklich hilft, das ist Erzählen, Zuhören, miteinander schweigen und reden. An diesem Samstag, am Vorabend des Toten- oder besser Ewigkeitssonntags, mache ich Ihnen ein Angebot dafür. Zusammen mit einem einfühlsamen Trauerprofi, dem evangelischen Seelsorger Reiner Liepold, lade ich Sie online zu 30 Minuten Nachdenken über Trauer ein – mit allem, was dazugehört. Leise Musik, Trauer miteinander teilen, Stille wahrnehmen, Worte aufnehmen, Inspiration für den Tag bekommen… Sie sind um 17 Uhr von ganzem Herzen willkommen. Oder Sie geben die Einladung weiter an jemanden, der sie gut gebrauchen kann. Alles Wichtige unter www.gedenkenswert.de.