Peter Lehndorfer aus Gräfelfing. © Dagmar Rutt
Peter Lehndorfer ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut. In Berlin kämpft der Gräfelfinger seit langem für eine Verbesserung der Versorgung. Denn aktuell gibt es für junge Menschen, die Hilfe brauchen, lange Wartelisten. Lehndorfer war schon fast am Ziel. Doch dann zerbrach die Bundesregierung.
Als Peter Lehndorfer seine Praxis für Kinder- und Jugendpsychotherapie in Planegg (Landkreis München) eröffnete, war die Welt noch eine andere. Es gab kein Internet und damit auch keine Internetsucht. Die Krankheit ADHS hatte noch keinen Namen. Damals kamen vor allem schüchterne Kinder zu ihm, erinnert er sich. Heute seien sie eher laut, unruhig oder sogar aggressiv. Dafür werden Kinder heute auch intensiver beobachtet. „Das ist ein Fortschritt“, sagt Lehndorfer. Etwa 20 Prozent der Kinder würden nicht gut mit sich und anderen zurecht kommen, sagt er. „ich würde mir wünschen, dass diese Kinder Hilfe erfahren. Das wäre für die Gesellschaft eine positive Entwicklung.“ Denn er weiß: Psychische Krankheiten haben ihren Ursprung häufig in der Kindheit. Lehndorfer setzt sich für Entstigmatisierung und Aufklärung ein.
Vor drei Jahren hat der Psychotherapeut aus Gräfelfing seine Praxis übergeben – doch von einem ruhigen Alltag ist er weit entfernt. Von der Deutschen Bischofskonferenz wurde er in eine Kommission berufen, die sexuelle Missbräuche aufarbeitet, eine ähnliche Tätigkeit übt er für die Stadt München aus. Und auch seine politische Arbeit will er nicht ruhen lassen. Lange hat der 70-Jährige für eine Verbesserung der Kinder- und Jugend-Psychotherapie gekämpft – für kürzere Wartezeiten zum Beispiel. „Es war gerade gelungen, die Politik zu überzeugen, dass es eine eigene Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten geben soll“, berichtet er. Das entsprechende Gesetz war bereits zur Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags. Doch dann kam der Bruch der Bundesregierung dazwischen. Nun ist unsicher, ob das Gesetz so schnell verabschiedet wird. Dabei wäre es dringend notwendig, betont Lehndorfer. „Wir haben überall eine Überversorgung auf dem Papier, aber faktisch eine Unterversorgung.“ Er will hartnäckig weiter dafür kämpfen, dass sich das ändert. Für seinen Einsatz wurde er vor kurzem in Berlin mit dem Diotima-Ehrenpreis der deutschen Psychotherapeutenschaft ausgezeichnet.
VICTORIA STRACHWITZ