Autonome Busse – ein Auslaufmodell?

von Redaktion

Vielversprechende Projekte kommen trotz hoher finanzieller Förderung kaum vom Fleck

Anfangs viel bestaunt: der autonome Kleinbus in Bad Birnbach. © Tobias Hase/dpa

Bad Birnbach/Hof/Kelheim – Groß war das Interesse im Sommer 2017, als in Bad Birnbach der erste autonom fahrende Kleinbus startete. Das Projekt „Heal“ lockte sogar DB-Chef Richard Lutz von seinem Berliner Bahn-Tower in die niederbayerische Marktgemeinde. Erst einer, ab 2022 dann drei Klein-Busse kurvten autonom, das heißt ohne aktiv eingreifenden Fahrer, durch den Kurort. Sensoren erkennen Hindernisse, der Bus bremst und fährt Kurven ohne einen Fahrer am Lenkrad – so das Prinzip. „Autonomes Fahren wird Realität auf Deutschlands Straßen“, behauptete Lutz damals im gewohnt forschen Bahn-Sprech.

Doch nun wurde „Heal“ ziemlich abrupt abgebrochen: Am Silvestertag fanden zwischen Bahnhof und Kurzentrum die letzten Fahrten statt. Jetzt ist das Projekt eingestellt. Der Grund: Geldmangel. Der Fahrzeughersteller, das französische Start-up EasyMile, hatte zuvor mitgeteilt, dass er sich aus dem Projekt zurückziehen werde. EasyMile will sich künftig auf Verkehre an Flug- und Schiffshäfen fokussieren.

Ist das schon der Abgesang auf ein einst verheißungsvoll begonnenes Projekt? Nicht nur in Bad Birnbach, sondern auch in anderen bayerischen Städten sind die autonom fahrenden Kleinbusse schon kurz nach dem Start wieder Geschichte. In Hof und im angrenzenden Kronach, Rehau und Bad Steben startete 2021 SMO – die Shuttle Modellregion Oberfranken – mit gleich sechs autonom fahrenden Kleinbussen. Aus und vorbei: „Der Betrieb wurde mit dem erfolgreichen Projektende eingestellt“, heißt es auf der Homepage. In Kelheim durften Passagiere in fünf autonomen Bussen herumkurven. „Wir sind das größte Reallabor Deutschlands zur Weiterentwicklung der autonomen Mobilität in Deutschland“, tönte der örtliche Landrat Martin Neumeyer (CSU). Bis Juni 2024 war das so. Auch hier teilten die Initiatoren mit, das Projekt sei „erfolgreich“ abgeschlossen worden.

„Erfolgreich“ – aber offenbar nicht so erfolgreich, dass sich das Ganze dauerhaft lohnt. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen listet nicht weniger als 45 Projekte in Deutschland auf – die allermeisten sind aber entweder eingestellt worden oder befinden sich im Planungsstadium. Aktiv in Betrieb ist, soweit zu sehen, derzeit kein autonom fahrender Bus. Möglich sind die autonomen Experimente auch nur dank öffentlicher Förderung in Millionenhöhe. So wurde das Kelheimer Projekt mit 10,9 Millionen Euro bezuschusst. Auch in Bad Birnbach finanzierte zunächst die Deutsche Bahn, danach das Bundesverkehrsministerium den Versuch mit hohen sechsstelligen Summen. Seit Mitte 2023 mussten Landkreis und Gemeinde die Busse allein schultern. In Zeiten klammer Kassen geht den Gemeinden jetzt das Geld aus. Und auch vom Bundesverkehrsministerium ist nichts zu erwarten – es gibt eine Haushaltssperre.

Zudem blieben die Experimente auf halbem Weg stecken. Keines der Projekte in Bayern und auch in anderen Bundesländern ist trotz vieler ambitionierter Versuchsbeschreibungen bisher über das „Level3“-Stadium hinausgekommen. Das bedeutet: Bei allen als „autonom“ gepriesenen Versuchsfahrten musste ein sogenannter Operator, ein Fahrer, der im Notfall per Hand eingreifen kann, mitfahren. Das erhöhte die Personalkosten. Erklärtes Ziel aller Versuche ist aber das Erreichen der Stufe „Level4“ – dann würde bei Zwischenfällen, drohenden Unfällen etwa, die Leitstelle eingreifen. In Hamburg ist das in einem neuen, mit 28 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium bezuschussten Versuch ab Mitte 2025 als Ziel angekündigt – wieder aber fahren alle Busse erst mal aus Sicherheitsgründen mit Begleitern. Auch die geringe Geschwindigkeit ist ein Problem. Mit mehr als 20 km/h war bisher kein autonomer Kleinbus unterwegs, was sie im Stadtverkehr zum Verkehrshindernis macht.

Aufgeben wollen die Pioniere des autonomen Bus-Fahrens jedoch nicht. In gefühlt jeder Präsentation über „erfolgreich“ beendete Projekte wird. die Zukunft beschworen. „Unser Engagement für Innovation und Fortschritt im Bereich des autonomen Fahrens bleibt ungebrochen“, betonte etwa der Deutschland-Chef von EasyMile – jenes Unternehmen, das jetzt komplett aussteigt – noch im September 2024 zum Versuchsende in Kelheim.

In Birnbach indes denkt man jetzt eine Nummer kleiner: Das erst zum Start der autonomen Busse aufgebaute Liniennetz soll erhalten bleiben – aber mit ganz normalen Bussen.
DIRK WALTER

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