Verschwunden: der Keltenschatz von Manching wurde geraubt, die mutmaßlichen Diebe stehen ab Januar vor Gericht. © Frank Mächler/dpa
München – Vor den Gerichten im Freistaat wird auch im neuen Jahr eine Reihe an aufsehenerregenden Verfahren verhandelt. Eine Übersicht.
Der Fall des spektakulären Goldschatz-Diebstahls in einem Manchinger Museum soll ab dem 21. Januar vor dem Landgericht Ingolstadt verhandelt werden. Die Strafkammer hat 31 Verhandlungstage geplant, das Urteil könnte demnach im Juni fallen. Im November 2022 waren Diebe in das Kelten Römer Museum in Manching eingedrungen und hatten den rund 2100 Jahre alten keltischen Goldschatz gestohlen, der das Aushängeschild des Museums war. Die meisten der rund 450 Münzen sind verschwunden, vermutlich wurden sie eingeschmolzen.
Star-Koch Alfons Schuhbeck, der bereits im Gefängnis sitzt, dürfte im neuen Jahr erneut vor Gericht stehen. Die Staatsanwaltschaft München I hat ihn wegen weiterer Straftaten angeklagt. Schuhbeck soll Corona-Hilfen und andere Subventionen in Höhe von 460 000 Euro erschlichen haben. Ein Prozesstermin steht bislang nicht fest.
Wegen Bestechungsvorwürfen im Zuge der Aserbaidschan-Affäre stehen zwei ehemalige Bundestagsabgeordnete der Union ab dem 16. Januar vor dem Oberlandesgericht München (OLG). Der Ex-CDU-Parlamentarier Axel Fischer aus dem Wahlkreis Karlsruhe-Land wird der Bestechlichkeit verdächtigt, der ehemalige CSU-Abgeordnete Eduard Lintner aus Unterfranken der Bestechung von Mandatsträgern, wie die Generalstaatsanwaltschaft bei der Anklageerhebung mitgeteilt hatte. Ziel der Zahlungen sei die Beeinflussung von Entscheidungen im Sinne Aserbaidschans in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) gewesen. Beide haben die Vorwürfe stets bestritten.
Wegen des sogenannten Badewannen-Mordes saß er 13 Jahre unschuldig in Haft und verklagt nun den Freistaat Bayern: Manfred Genditzki fordert per Klage mindestens 750 000 Euro Schmerzensgeld, wie eine Sprecherin des Landgerichts München I mitteilte. Die Forderung stützt sich auf Amtshaftungsansprüche nach Paragraf 839 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) und Artikel 34 des Grundgesetzes, in dem es heißt: „Verletzt jemand in Ausübung eines ihm anvertrauten öffentlichen Amtes die ihm einem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht, so trifft die Verantwortlichkeit grundsätzlich den Staat oder die Körperschaft, in deren Dienst er steht.“
Weil er zwei ukrainische Soldaten in Murnau ermordet haben soll, beginnt im Februar vor dem Landgericht München II der Prozess gegen einen Russen. Der 57-Jährige soll im April 2024 zwei kriegsversehrte ukrainische Soldaten, die im Unfallklinikum operiert worden waren, nach einem Streit über den Krieg in der Ukraine mit einem Messer getötet haben. Der Angeklagte lebte seit Anfang der 1990er Jahre in Deutschland.
Nach der Tötung der jungen Studentin Cornelia in Unterfranken vor mehr als 46 Jahren beginnt am 27. Januar der Mordprozess gegen einen früheren US-Soldaten vor dem Landgericht Schweinfurt. Der Angeklagte ist 70 Jahre alt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der damals 24-Jährige als Soldat der US-Streitkräfte in Schweinfurt stationiert. Er soll zur Tatzeit eine Beziehung mit dem 18 Jahre alten Opfer gehabt haben, ehe er sie 1978 nach Überzeugung der Anklage getötet hat.
Weil drei Litauer einen bewusstlosen Mann auf Bahngleise in Neumarkt in der Oberpfalz gelegt und so seinen Tod herbeigeführt haben, stehen sie ab 21. Januar vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth. Die drei Angeklagten im Alter zwischen 22 und 32 Jahren sollen im April in einer Monteurunterkunft in Neumarkt mit dem 48-Jährigen in Streit geraten sein. Dabei sollen sie den Mann überwältigt und bewusstlos auf Bahngleise gelegt haben. Ein Güterzug überrollte den Mann. Der Lokführer des Güterzuges hatte den Mann damals noch bemerkt, aber nicht mehr rechtzeitig bremsen können.
In Reichweite kommt auch ein Prozess wegen des Bahnunglücks von Burgrain (Kreis Garmisch-Partenkirchen) im Juni 2022 mit fünf toten Fahrgästen. Das Landgericht München II hat für einen Prozess gegen drei beschuldigte Bahn-Angestellte ab Mai 15 Sitzungstermine reserviert.
MM/DPA