DAS PORTRÄT

Süße, flauschige Glücklichmacher

von Redaktion

Silvia Hradetzky mit Lamm Helga. © Tobias Gehre

Silvia und Florian Hradetzky ziehen Lämmer mit der Flasche auf und besuchen mit ihnen Altenheime, Hospize oder Kitas im Landkreis Fürstenfeldbruck. Dort werden die süßen kleinen Gäste meist sehnlich erwartet. Sie sorgen für glückliche Momente.

Helga und George tapsen durch das Foyer des Germeringer Hospizes und erkunden neugierig die Umgebung. Silvia Zurbesten, die im Hospiz zu Gast ist, erwartet das vierbeinige Duo bereits voller Vorfreude. Wenig später liegt George auf ihrem Schoß und genießt seine Streicheleinheiten. „Ich liebe Schäfchen über alles“, sagt Silvia Zurbesten mit einem Lächeln im Gesicht. „Es gibt nichts Friedlicheres als so ein Lamm.“ Silvia Hradetzky und ihr Mann Florian beobachten das – es sind Momente, die auch sie glücklich machen.

Die beiden ziehen Lämmer mit der Flasche auf. Das begann mit einem Zufall. Die Kinderkrankenschwester arbeitet ehrenamtlich auf einem Hof in Puchheim, wo viele Schafe leben. Vor drei Jahren wurde dort Lämmchen Berti von seiner Mutter verstoßen. Also nahm Silvia Hradetzky das Baby-Schaf mit zu sich nach Hause und zog es mit der Flasche auf. Im Lauf der Zeit kamen weitere Jungtiere hinzu, die jetzt alle in einem mobilen Stall bei Puch leben. Auch bei der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck, wo die 45-Jährige im Baby-Besuchsprogramm „Willkommen im Leben“ arbeitet, bekam man Wind davon. „Mir wurde vorgeschlagen, mit den Lämmern in Altenheime und andere Einrichtungen zu gehen“, erzählt sie.

Das war vor zwei Jahren. Inzwischen hat das Paar in unzähligen Einrichtungen für unvergessliche Momente gesorgt. „Die Anwesenheit der Lämmer lässt die Menschen zur Ruhe kommen“, erzählt Hradetzky. Menschen mit Spastiken könnten durch die Tiere besser entspannen. „Und mit ihren 39 Grad Körpertemperatur sind sie wie lebende Wärmflaschen.“ Weil die Lämmchen mit der Flasche aufgezogen wurden, sind sie von klein auf an Menschen gewöhnt, deshalb können sie als flauschige Therapeuten arbeiten. Auch die Hospiz-Chefin Tina Lamprecht freut sich jedes Mal, wenn die Hradetzkys mit einem Lämmchen zu Besuch sind. Das seien ganz besondere Momente, sagt sie. „Es löst etwas aus bei den Menschen.“ Und für die Angehörigen sei es tröstlich, wenn ihre Lieben in der letzten Phase ihres Lebens solch schöne Momente erleben dürfen.
TOBIAS GEHRE

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